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Der König tanzt -  Der König tanzt     Artist:  Der König tanzt
    Album:  Der König tanzt
    Label:  Fettes Brot
    Release:  27.04.2012
   Medium:  Album
    Genre:  Dance / Club Music Diesen Artikel ausdrucken 
    Autor:  Valentin Artikel per Mail versenden 
 

Es war einmal ein König und der tanzte, der drehte sich immer schneller, der wanderte allein durch die Wirklichkeit und der warf mit Swarovski-Steinen. Der König als Party-Rebell eingehüllt in ein Gewand namens Bad Dream Pop. Der König als Retter der modernen Seele und ihrer schlaflosen Nächte. Dies ist kein Märchen, sondern eine kurze Zusammenfassung aus dem königlichen Promotext...

Boris Lauterbach ist dieser König, seines Zeichens Mitglied bei Fettes Brot aber nun auf Solopfaden unterwegs. 'Der König tanzt' heißt sein Debütalbum und bereits vorab tischt er also mächtig auf. Doch es stellt sich eine entscheidende Frage: Meint er das wirklich ernst oder ist das einfach Klamauk?

Des Königs Kleider stehen eher für Klamauk, denn durch die bunt geschmückte Melone auf dem Kopf und die eigenwillige Gesichtsbemalung fühlt man sich unweigerlich an eine Mischung aus Alex von Clockwork Orange und an den Dschungelcamp-Dirk-Bach erinnert. Oder an eine ganze obskure Kreuzung aus Boy George mit einem Schuss der Atzen. Das fällt schon irgendwie auf, aber einen echten Sinn hinter dem Style entdeckt man nicht. Und so wirklich gut sieht das auch nicht aus.

Die zwölf Tracks von 'Der König tanzt' stehen dem dann in nichts nach. Nicht Fisch, nicht Fleisch kann man es ganz abgedroschen zusammenfassen, denn so kommt auch die Musik daher. Wave-Britpop-Electro der nicht wirklich frisch und begeisternd klingt, sondern sich auf der Albumdistanz eher ermüdend ins Ziel schleppt. Lauterbach deutet aber phasenweise an, dass das Konzept bei längerer Reifung durchaus hätte funktionieren können. Das Ohrwurmpotential ist hoch, nur leider überwiegen im Gesamtbild meist die quälenden Momente. 'Alles dreht sich' oder 'Nur für 1 Tag' sind Hits, die sich in jeder Indiedisco sehen lassen können. Sieht man mal von den etwas übertriebenen Synthie-Klängen ab, dann machen der treibende Bass und die Drums gepaart mit den messerscharfen Frickelgitarren ala Gang of Four jede Menge Spaß. Doch dann gibt es auch Momente, mit denen sich der König diese an sich positive Grundstimmung mit dem Hintern wieder einreißt.

Vor allem die Texte vermiesen den Eindruck und stehen manchmal am Abgrund zur Peinlichkeit. Man könnte vermuten, Lauterbach konnte sich nicht entscheiden zwischen spätpubertären Schulhof-Emotionen ('Du fühlst dich ständig im Weg / obwohl du eigentlich immer schön zur Seite gehst / Du kannst einfach nicht so wie die anderen sein / Doch du fühlst dich schon so lange unendlich allein / Du schwörst dir das ist für immer vorbei / Und du schreist') oder gesellschaftskritischen Radikalparolen ('Selbst Proleten und Migranten / dürfen bei uns aufs Gymnasium / Alle haben die gleichen Chancen / Und Guttenbergs wohnen jetzt in Washington'). Zudem sind die Songstrukturen sich oft zu ähnlich. 'Häuserwand', 'Katzengold' und 'Holidays im Krieg' könnten zusammen während einer Jamsession entstanden sein. Daran leidet die Spannung. Mehr Klasse statt Masse hätte dem König gut zu Gesicht gestanden.

Trotz der schrillen äußeren Inszenierung mangelt es also an der musikalischen Intensität. Alles ist zerrissen und zerfahren. Die wahrscheinlich angestrebte Ernsthaftigkeit leidet unter dem – mit Absicht oder nicht – beigefügten Schabernack. Der König wäre gern Rebell, ist aber doch eher ein bisschen der Harlekin. Eine Kombination, die durchaus ihren Reiz versprüht und auf gewisse Weise auch fasziniert, aber vollends überzeugen kann sie nicht.


geschrieben von Marcus Wellnhofer


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Sehr interessante Kritik! Aber ich vermute, dass das Weltbild des Verfassers dieser Kritik und das Weltbild des Boris Lauterbach irgendwie einfach nicht zusammengehen ;)) Auch wenn Lauterbach mit seinem Soloprojekt "Der König tanzt" sich vermutlich abgrenzen wollte, so ist er doch auch immer noch Teil der Band Fettes Brot. Und wenn man diese Band ein bisschen besser kennt, dann wird man die Ideen und Denkansätze und -anstöße, die der König auf seinem Album gibt, sehr gut verstehen. Manchmal ist es nett, aus seiner Box herauszukommen und über den Tellerrand zu schauen, und ich denke das ist etwas, was sowohl Fettes Brot als auch König Boris als Alleingänger recht gut beherrschen. Wie man als Empfänger damit umgeht, ist selbigem überlassen :) Mit seinen 37 Jahren pfeift Boris Lauterbach wahrscheinlich auf irgendeinen Rebellen- oder den Harlekin-Status. Ob seine Beweggründe nun Geldgier oder tatsächlich Spaß an musikalischer Gesellschaftskritik waren, wird man wohl nicht herausfinden können. Aber doch merkwürdig, wieviel Wahres zumindest ich in seinen Texten finde, auch in eher etwas seichter anmutenden Songs wie "Katzengold"oder "Foto". Vermutlich sollten Künstler demnächst anfangen, einen Sticker mit der Aufschrift "Achtung! Ironie und Sarkasmus!" an ihre Alben zu heften... Denn wer nicht unterscheiden kann, ob der König hier Ernst oder Spaß macht, ja, für den ist das Ganze dann wohl doch zu hoch. :) 5caradt

von 5caradt (06.06 | 15:23)
 
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