Seit vielen Jahren steht der Name Great White offenbar unter keinem guten Stern. 2003 das Feuer-Unglück, immer wieder Jack Russells Drogensucht und schließlich seine komplizierte Operation. Es ist sicher absoluter Zufall, aber Jani Lane, der 2010 vorübergehend Russell vertrat, starb 2011 (also nach seiner Great White-Zeit) an einer Alkoholvergiftung. Dagegen ist der derzeitige Rechtsstreit fast harmlos. Er tobt zwischen der Band und Ex-Frontmann Jack Russell, der darauf besteht, man habe ihn nach seiner Reha nicht zurück in die Band gelassen, obwohl er in Topform sei. Als Gegenmaßnahme hat er Jack Russell's Great White formiert und kriegt nun Post von den Anwälten der alten Bandkollegen, namentlich der Originalmitglieder Mark Kendall, Michael Lardie und Audie Desbrow. Mit Rock'n'Roll hat all das nicht mehr zu tun. Das neue Album mit dem neuem Frontmann Terry Ilous hoffentlich schon. Begleitumstände beiseite, hier soll nur die Musik Gegenstand der Bewertung sein. 'Elation' heißt das neue Werk, zu deutsch: Begeisterung, Freude, Hochgefühl oder Jubel. Trotz aller Sorgen, die Band erlebt gerade ein echtes Hochgefühl, bestätigt Desbrow, daher der Titel. Man liest die typischen Phrasen, etwa 'Die Energie im Studio ist unglaublich!' Aber tatsächlich scheint das zu stimmen, denn mit dem Opener '(I've Got) Something For You' kehrt der Rock'n'Roll zurück, und zwar energiegeladen und rasant. Wir erinnern uns: Great White standen in den 80ern für eine spaßige Mixtur aus Blues und melodischem Hardrock. Diese Mischung ist nun mit allen Einzelheiten zurück: Hardrock ('Heart Of A Man'), Melodic-Rock ('Shotgun Willie's'), kerniger Blues ('Love Train') oder Rhythm'n'Blues ('Resolution'). Gut, dass das Album schon vor der medialen Schlammschlacht gegen Russell aufgenommen wurde. Denn sonst könnte man manchen Titeln eine gewisse Ironie unterstellen, z.B. der Ballade 'Hard To Say Goodbye' oder dem Hardrocker 'Feelin' So Much Better'. Terry Ilous passt gut zu Great White. Ein zweiter Robert Plant, wie Jack Russell es zumindest mal war, ist Terry natürlich nicht. Diesen sexuell aufgeladenen Unterton des alten 80er-Jahre-Russells hat er auch nicht. Eher erinnert er an Jeff Keith von Tesla, besonders bei der gelungenen Ballade 'Love Is Enough'. Vor allem ist Terry Ilous aber ein ausgesprochen guter Sänger. An 'Elation' gibt es im Wesentlichen nur eins zu kritisieren, nämlich die Länge. Bei der Laufzeit von einer Stunde entstehen zwangsläufig einige (wenige) Füllmomente. Davon abgesehen bietet das zwölfte Studioalbum alles, wofür Great White eigentlich stehen und wofür sie nur stehen sollten, nämlich Rock'n'Roll. Da muss eine plumpe Metapher erlaubt sein: Hoffentlich surfen sie auf der Welle des Hochgefühls weiter.