Tja, so ist das mit dem technisierten Alltag. Man ist zwar fasziniert von ihm, doch irgendwann überrollt er einen. Das Smartphone hat einerseits immer schnell eine Information parat - aber andererseits ist man nie wirklich alleine, sondern hat all seine E-Mails immer dabei. Die britische Indie-Rock-Band I Like Trains hat dieses zwiegespaltene Verhältnis des Menschen zu den ganzen Apparaten, die er erfunden hat, zum Thema ihres dritten Albums 'The Shallows' gemacht. Und im gleichen Maße wie sich I Like Trains auf dem Album Gedanken über moderne Technologie machen, halten auch elektronische Elemente Einzug in ihre Musik. Die Gitarren klingen dumpf, weich und basslastig wie immer - wenn sie denn da sind. Und das ist eben der Unterschied zu den ersten beiden Alben von I Like Trains. Sowohl zu Beginn als auch am Ende des Albums dominieren nicht die Gitarren, sondern die Synthesizer, sodass die entsprechenden Songs sich entfernen vom Post-Rock der früheren Aufnahmen. Zusammen mit einigen pluckernden Stakkato-Gitarren und Off- oder Disco-Beats marschieren die Synthesizer nun eher in Richtung Düster-Indie-Pop. Die getrageneren Gitarren kommen dabei recht kurz - und zwar zu kurz. Es entsteht der Eindruck, dass etwas fehlt. Besser funktionieren I Like Trains, wenn ihre Stücke das Abgehackte von den Gitarren aufs Schlagzeug verlagern - so geschehen im starken Mittelteil des Albums. Während das Schlagzeug vertrackt auf dem Rand der Snare-Drum herumklappert ('Water/Sand') oder wie im Bossa Nova groovt ('The Hive'), wogen die Gitarren in gewohnter und geliebter Manier darüber und bekommen gegen Ende der Songs sogar oft noch Gesellschaft von ausladenden Chören. Das ist zwar das, was I Like Trains schon seit längerem auszeichnet, und keine große technische Neuerung in ihrem Sound - doch nach wie vor schreiben I Like Trains auf diese Weise ihre besten Songs. Man muss ja auch nicht immer am Puls der aktuellen technischen Entwicklung sein. Genauso gut kommt man doch klar, wenn man statt eines iPhones ein Nokia 3330 besitzt - oder wenn man statt mit dem Express-Zeug einfach mal mit einer alten Dampflok reist.