Ex-Wolfsheim-Mastermind Peter Heppner rückt nach mehr als drei Jahren Rekonvaleszenz wieder an die Front des deutschen Elektropop vor. Nochmal faktisch solo, diesmal nur nicht namentlich. 'My Heart Of Stone' heißt die frische Scheibe, und wenn man sie erst einmal seziert - sprich: ihre 'echten' Songs sorgfältig von den insgesamt sieben Bonus-Tracks und Interludes isoliert - hat, stößt man nicht viel später auf das schwarze Gold. Nein, nicht Erdöl ist gemeint, sondern dieser ganz spezielle Spirit, den Peter Heppner seinen weitestgehend eingängig-übersichtlich gestrickten Synthie-Teppichen schon seit jeher durch seine - wer würde das leugnen wollen - absolut einzigartige, leicht bittere Stimmfarbe einhaucht. Kaum einer singt auf so eine elegante Weise gepresst wie der Heppner, und kaum ein Sänger klingt auf Englisch genau so unbefremdlich wie auf Deutsch und umgekehrt. Aber das wussten wir ja schon vorher. Dass Heppner einfach gut kann und am besten fährt, je weniger Schnörkel er an seinen lyrischen Ausführungen wachsen lässt, wussten wir auch schon zuvor. Der gebürtige Hamburger demonstriert dieses Talent auch dieses Mal wieder überzeugend, wie die erste Single 'Meine Welt' zeigt. Stammzuschauer der nunmehr aus dem Privatfernsehen scheidenden Harald Schmidt-Show dürfte sie bereits bekannt sein. Hier erweist sich der Inhalt als ebenso unkompliziert wie seine Betitelung. Der zweifache Echo-Preisträger malt sich einfach ganz gewohnt eigenbrötlerisch - rufen wir uns 'Alleinesein', die erste 'solo'-Auskopplung von damals, in Erinnerung - seine eigene, bessere Welt, in der alles seine ganz spezielle Farbe zugewiesen bekommt und er schlechte Eigenschaften auch dann einfach nicht mitzeichnet, wenn es sich bei ihnen um charakteristische handelt. Das führt zu einem Universalszenario mit geruchlosen, unfall-immunen Kraftfahrzeugen, einer integeren Vegetation und wesensentleerten Kriegen, ganz 'so wie's mir gefällt / denn ich mal' ja ... meine Welt'. Peter Heppner ist eben auch ein Träumer, und als ein solcher schreibt er nach wie vor gerne Weltverbesserer-Lieder, wie es sich neben 'Meine Welt' auch bei 'Letter From Africa' um eines handelt. 'My Heart Of Stone' ist ein ähnlich ausgewogenes Album wie 'solo', was das Tempo und die mystisch angehauchte Elektro-Atmosphäre angeht. Die Stücke, die sich zweigliedrig in stärkere und schwächere Bewerber staffeln lassen, sind zu einem großen Teil emotionale Bewältigungswerke, wessen man sich als Hörer schnell gewahr wird. 'Cry Tonight' beispielsweise soll offensichtlich dazu dienen, dem Herzschmerz Einhalt zu gebieten, was neben dem Text an sich auch auf der musikalischen Ebene durch für heppnersche Verhältnisse fast schon enthusiastische Akustikgitarren-Klänge induziert wird. Herzzerreißend präsentiert sich hingegen das zu Anfang leicht klobige wirkende, dann sich aber als prachtvoll herausstellende 'A Love Divine' - ein zugegebenermaßen hochästhetisches Stück, das vom markigen Gesang Heppners durch dezente synthetische Nebel und dynamische Beats bis hinein ins Wundersame gesteuert wird. Mit in dieselbe Kategorie fällt schließlich 'Whenever I miss you', ein Ohrwurmkandidat und zugleich Torch-Song, aber dabei einer von wenigen der innovativen, erfrischenden Sorte, für die es schwierig ist, auf Anhieb überhaupt noch aktuelle Beispiele zu finden. Mit verzweifelten Versen à la 'I would deny the world around me / if this would bring / me somewhere near you' findet sich hier der Gegenpol zu ausgeruhten Tracks wie dem bereits angesprochenen 'Cry Tonight'. In der letzten Strophe dann ein Vers, der ob seiner mit Einfachheit gepaarten Aussagefülle beeindruckt: 'I'd conquer the world just in your name'. Letztlich besiegelt auch das wohl mit intensivste, traurigste Stück der Platte, 'Noch Nicht Soweit' ('Tausendmal Ade / Tausendmal tut's weh / An jedem Tag, / in jeder langen Stunde') mit seiner kleinen, aber feinen Abschiednahme-Anekdote, dass es sich bei 'My Heart Of Stone' im Ganzen zwar um ein wolfsheimhaft düsteres Album handelt, das aber seinem Titel gerade nicht alle Ehre macht. Ein Herz aus Stein klingt anders bis gar nicht. Peter Heppner ist bei weitem zu zärtlich, zu behutsam zu Werke gegangen, hat sich beim Songwriting zu sehr auf den Wellen der Emotionen treiben lassen, um dem Titel seiner neuen Scheibe (die sich - by the way - dank dem leicht groovigen 'Give Us What We Need (Truth Is Not The Key)' übrigens nahezu tanzen lässt) gerecht werden zu können. Und das ist auch gut so. Eine abschließende Bemerkung 'gebührt' den Bonus-Tracks: 'Alles Klar! - Lied für Wettkämpfe' - ein potentieller Hymnen-Kandidat für die anstehende Fußball-Europameisterschaft..? - und 'Meine Welt (Kids Edit)' haben gemein, dass ihnen zweifellos recht interessante bis lustige, sinngestaltende Ideen zugrunde lagen. Sie erweisen sich aber für das Album als kein Mehrwert und wollen sich nicht so recht in dessen Gefüge eingliedern. Wer also Wert legt auf ein geschlossenes, zusammenhängendes Hörerlebnis, das 'My Heart Of Stone' ja gerade mit seinen instrumentalen Rahmensequenzen gewährleisten möchte, dem sei empfohlen, nach dem 'Épilogue' sein Abspielgerät sanft verstummen zu lassen und sich zufrieden und vielschichtig bereichert zurückzulehnen. Danke, Peter, und bis zum nächsten Mal!