Eines der unromantischsten Liebeslieder der deutschen Musikgeschichte hat die Poprock-Band Revolverheld auf ihrem Debütalbum 2005 veröffentlicht. 'Mit Dir Chill'n' heißt es und geht so: 'Mit Dir chill'n, das ist, was ich will - heut Abend ist nichts wichtig, nur dass ich mir Dir chill.' Mit 'Immer Wenn Ich Das Hier Hör' bringt Revolverheld-Gitarrist Kris nun sein erstes Soloalbum raus - und macht alles nur noch schlimmer. Kris schreibt einfallslose Rockmusik mit Texten, die - positiv ausgedrückt, laut Promotext - 'nicht rummachen, sondern auf den Punkt kommen.' Aber dieser Punkt heißt dann zum Beispiel folgendermaßen: 'Wir schreien 'Yeah!', das Leben ist doch nur fair - diese meisen Gedanken gibt's ab jetzt niemals mehr!' ('Yeah!') oder so: 'Meine Wohnung is'n Klub, komm mach das Fenster auf und dreh die Mucke laut!' Da bleibt einem dann die Freude, die diese Songs wohl verbreiten sollen, sofort im Halse stecken. Ein großes Problem des Albums ist, dass die Texte von Kris einfach zu möchtegern-lässig klingen. Er sagt, er möchte Bilder malen mit seiner Sprache. Ganz manchmal klappt das, wie beispielsweise im Song 'Wie's Mir Geht': 'Ich bau mir hoffnungslose Hoffnung aus leeren Pizzaschachteln.' Meistens geht das aber völlig in die Hose und klingt noch aufgesetzter als die angebliche Jugend-Sprache aus diesen weltfremden Jugend-Wörterbüchern: 'Alles ex, nie kleine Schlucke - gib mir Beck's und geile Mucke!' ('Glücksrausch') Die meisten ganz netten Melodien behalten durch diese Wortwahl auch einen faden Beigeschmack, zum Beispiel der schöne Refrain von 'Geflasht', dessen Titelwort irgendwie echte Gefühle zu sehr durch den coolen Kakao zieht. Auf seinem Soloalbum reproduziert und potenziert Kris die Fehler, die er mit Revolverheld bereits gemacht hat. Das geht so weit, dass der Titeltrack 'Immer Wenn Ich Das Hier Hör' genauso gut 'Mit Dir Chill'n 2' heißen könnte. Im Original heißt es: 'Lass die Welt einfach mal still stehen - und die Leute ohne uns durchdrehen.' Kris singt nun: 'Immer wenn ich das hier hör, dann denk ich an Dich. Die Welt soll durchdrehen, interessiert mich nicht!' Eines weiteren, diesmal absichtlichen Zitats, bedient sich Kris in seiner ersten Single 'Diese Tage', indem er zusammen mit seinem Gastsänger Dante Thomas (Number-One-Kracher 'Miss California', 2001) 'The Joker' von Steve Miller zitiert: 'I play my music in the sun.' Wie man kumpelhafte, solide, lockere Musik macht, die nicht zu verkopft, aber auch nicht zu peinlich klingt, hat Bosse im vergangenen Jahr mit seinem Album 'Wartesaal' vorgeführt. Kris reicht daran bei Weitem nicht heran. Nur hier und dort findet sich mal ein Song, der die HörerInnen wenigstens in Ruhe lässt und störungsfrei einfach nur vorbei zieht, statt auch noch auf die Nerven zu gehen. ('Soundtrack', 'So Laut', 'Was Ich Nicht Hab') Besonders letzterer ist rhythmisch ganz ansprechend, weil sich Gitarren und Schlagzeug im langsamen Off-Beat immer abwechseln. Die guten Momente auf 'Immer Wenn Ich das Hier Hör' sind aber ganz deutlich in der Unterzahl. Wenn das Album durchgelaufen ist, muss man sich erstmal ausruhen. Auf die Party, die Kris in fast jedem Song ausruft, hat man erstmal überhaupt keine Lust. Selten war gute Laune so anstrengend.