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Mile Me Deaf -  Eat Skull     Artist:  Mile Me Deaf
    Album:  Eat Skull
    Label:  Siluh Records
    Release:  01.06.2012
   Medium:  Album
    Genre:  Indie-Rock Diesen Artikel ausdrucken 
    Autor:  Valentin Artikel per Mail versenden 
 

Hören ist glauben! Da schwärmt man immer noch von 'The Crux', dem Meisterwerk der Killed by 9V Batteries aus dem letzten Jahr, da kommt deren Mastermind und Chef-Slacker Wolfgang Möstl schon mit der nächsten Fabel-Platte um die Ecke! Nach unzähligen Demos erscheint nun das erste offizielle Album von Möstls Experimentier-Projekt Mile Me Deaf, und um das Fazit bereits vorweg zu nehmen: grandios.

'Eat Skull' ist das Ziel einer langen Reise: Sperrige und für seine Hauptband nicht einzufangende Ideen wurden jahrelang in Möstls Solo-Schmiede Mile Me Deaf verwertet. Dabei holte er sich die Unterstützung von befreundeten Musikern oder werkelte selbst an seinen Ideen. Im Ergebnis stehen zehn Jahre nach der Gründung jede Menge rohe und grenzgängerische Platten sowie EPs (übrigens alle zum freien Download auf killedby9vbatteries.com). Nun also der erste wirklich geordnete Output auf Albumdistanz. Zusammen mit den Rhythmikern von Möstls Zweitband Sex Jams, Peter T am Bass und Rudeboy am Schlagzeug (= Maximum Miracle Center) spielt das Trio selbstbeschreibend experimental Pop Cryptic. Übersetzt: verwaschener, ungefilteter Dream Pop. Allerdings wird das Traumwandlerische in gezielten Noiseattacken ('You're A Walking Maze' oder 'Camera') standesgemäß zerrissen. Die Österreicher vergessen also nicht ihre Wurzeln, die sie rund um den Kosmos Sonic Youth geschlagen haben.

Der Grundton auf Eat Skull ist melodieverliebt, detailversessen und federleicht. Der Band gelingt es, durch die unterschiedliche Instrumentierung in Form von Mundharmonika, Keyboard und teilweise elektronisch angehauchten Drumbeats einen lässigen, aber zugleich euphorischen Sound zu erzeugen. Darüber schwadern unaufdringlich Möstls verschwommene Vocals.

Süße trifft auf Krach und shoegazet sich über die Straßen in den Sonnenuntergang. Ein wenig Bitterkeit schwingt da mit, aber das bringt die Leichtigkeit nicht zu Fall. Eine Stimmung, wie sie auf dem Cover dargestellt ist: Zuckerwatte und Dosenbier unter dem bedrohlichen Aufruf 'Eat Skull'.

Herz- und Schmuckstück der LP ist das brillante 'Wild at Heart'. Bubblegum-Pop in voller Blüte, wie ihn Stephen Malkmus nicht besser zelebrieren würde. 'So get cool with the truth and soon you will enjoy it / You'll try it / So come on turn it on and swear I'll be your saviour / Can I save you?', singt Möstl überdreht, und sieht man ihn im dazugehörigen Video durch Seifenblasenschleier tänzeln, wünscht man sich tatsächlich, er würde einen bei der Hand nehmen, den roten Luftballon in Herzform schenken und alles wäre gut.

Doch auch die weiteren Stücke wissen zu überzeugen. Seien es die beiden Opener 'Leaking Stuff' und 'Troubles Caught', die in bester Slacker-Manier auf den Spuren der Independent-Helden der 90er schlendern, das energetische 'Skulker' oder das dahinfließende 'Kill OR Watch Them Die', mit dem die Platte langsam ausklingt. Aussetzer sind nicht zu entdecken, stattdessen fügt sich alles in eine harmonische Einheit und das macht das Album zu dem was es sein sollte: keine Ansammlung von Liedern, sondern ein Gesamtwerk. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die Stücke zwischen 2010 und 2012 aufgenommen wurden.

Mile Me Deaf reißen den Hörer in eine Hypnose. Mal schmelzend, mal funkelnd, immer fingerschnippend. Mitwippen wird gewollt. Tanzen ist erwünscht. Verrenkungen müssen in Kauf genommen werden. Ein verbrauchtes wie dämliches Bild: Wien (bzw. Graz) liegt gleich neben Seattle. Aber es stimmt einfach. Große Platte, große Band.


geschrieben von Marcus Wellnhofer


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