Vor zwei Jahren zauberte Slash mit seinem Solo-Debüt sowas wie einen Überraschungserfolg aus seinem berühmten Zylinderhut. Einer der zahlreichen Gäste auf dem titellosen Album hat ihn besonders beeindruckt: Alter Bridge-Frontmann Myles Kennedy, den Slash bei den Aufnahmen erst kennenlernte und anschließend mit auf Tournee nahm. Mittlerweile hat sich daraus eine Band entwickelt. Slash featuring Myles Kennedy and the Conspirators heißt sie und wird durch Bassist Todd Kerns und Drummer Brent Fitz komplettiert. Und dieses Quartett macht das, was Slash schon immer am besten konnte, nämlich grandiosen, krachenden Hardrock. Mit furiosen Rocknummern wie 'One Last Thrill', 'Hard & Fast' und 'Shots Fired' überzeugen Slash und Co. genauso wie mit lässig groovenden Riff-Rockern. Einer davon ist 'Standing In The Sun', der zu Werbezwecken auch auf dem Sticker auf der CD-Hülle genannt wird, neben der Single 'You're A Lie', die ein paar Durchläufe braucht, bevor sie einschlägt. Mit Slash und Myles Kennedy haben sich aber vor allem zwei kongeniale Songwriting-Partner gefunden. Alle Songs wurden gemeinsam geschrieben. Erstaunlicherweise verstecken sich die besten Songs aber in der zweiten Hälfte des Albums, quasi der B-Seite. Da ist zum Beispiel 'Anastasia', das mit einem klassischen, Malmsteen-verdächtigen Gitarrensolo startet, bevor es Gunners-mäßig die Riffs runterrattert. Und der Refrain, vom vielseitigen Myles Kennedy großartig gesungen, macht süchtig. Darauf folgt 'Not For Me', beinahe eine Ballade, bei der Kennedy anfangs fast flüsternd intoniert, was er nicht mehr will, um sich dann im Refrain die Seele aus dem Leib zu singen. Das anschließende 'Bad Rain' ist wohl die lässigste Nummer auf diesem Album. Und dann ist da noch die soullastige Ballade 'Far Away'. Stark! 'Apocalyptic Love' ist ein Hardrock-Album voller Energie und Spielfreude. Was da zwischen Slash, Myles Kennedy und ihren Mitverschwörer abgeht, scheint alles Andere als apocalyptisch zu sein. Und euphorische Worte über den Spaß im Studio waren hier nicht nur das übliche Promo-Gelaber. Die Songs wurden größtenteils live eingespielt. Und das merkt man auch. (Nicht komplett live übrigens, weil Myles Kennedy auch die Rhythmus-Gitarre spielt.) Und man merkt auch, wie prägend das Gitarrenspiel von Slash für den Sound ist. In Kombination mit Ausnahme-Sänger Myles Kennedy klingt 'Apocalyptic Love' deutlich mehr nach Guns N' Roses als die Big Band von Axl. Aber da Slash und Kennedy beide eher relaxte Typen sind, hat das Line-Up eine wirklich gute Chance, länger zu bestehen als die von Guns N' Roses und Velvet Revolver. Für das Genre wäre es ein Gewinn, denn so gut klang Slash lange nicht mehr. Problemlos hätte man in dieser Rezension zahlreiche Vergleiche mit alten G'n'R-Songs nennen können. Aber eine Referenz genügt: 25 Jahre nach der Veröffentlichung von 'Appetite For Destruction' ist Mr. Saul Hudson wieder verdammt nah dran.