Uiuiui, soviele Änderungen muss man erst einmal verarbeiten. Sabaton haben sich spätestens mit dem Vorgänger "Coat Of Arms" an der Power Metal-Spitze etabliert und sich mit ihrer (modernen) Kriegsthematik und druckvollen Hymnen ein Platz im Herzen der Fans erkämpft. Nun kommt nach zwei Jahren "Carolus Rex", auf dem sich die Faluner mit der bewegten Geschichte ihres eigenen Landes auseinander setzen und die kontroverse Figur Karl XII. beleuchten. Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass mit Karl XII. die schwedische Großmachtstellung endete und die Skandinavier unter ihm das Ringen um die Ostseeherrschaft (Dominium Maris Baltici) verloren. Nach dem Nordischen Krieg löste Russland Schweden als Großmacht ab. Karls XII. Rang als Feldherr ist umstritten, zwar war er ein guter Taktiker, jedoch ein schlechter Diplomat, der mehrfach Angebote zu einem Siegfrieden ausschlug, um seinen großen Plan, Polens und Russlands Throne mit eigenen schwedischen Verbündeten zu besetzen. Schlussendlich führte sein Handeln dazu, dass die einstige Großmacht knapp hundert Jahre nach Karls Tod alle Besitzungen außerhalb des Mutterlandes im Ostseeraum verloren hatte. Bei dieser epischen Biografie ist es klar, dass keine (Standart-)Weltkriegsthematiken auf das Album passen würden, zu umfangreich ist hierfür der abgerissene Zeitraum. Spannung und Atmosphäre ist für alle Geschichtsfans mit diesem Thema also vorprogrammiert, auch wenn die obligatorischen Tarnhosen nicht in die fokussierte Epoche passen, doch kann man sich die Faluner durchaus in den damaligen schwedischen Uniformen vorstellen. Ein weiterer veränderter Punkt ist die Mannschaft, kurz nach den Aufnahmen trennten sich Sänger Joakim und Bassist Pär vom Rest der Band, die nicht mehr über den notwendigen Biss zu verfügen schienen. Da kann einem als Fan schon Angst und Bange werden, wenn sich ein eingespieltes Team auflöst. Was diese Personalentscheidungen für Sabaton bedeuten, wird die Tour und das nächste Album zeigen. Wohl am bedeutendsten fällt die musikalische Weiterentwicklung auf. Standen Sabaton früher größtenteils für hochklassige Uptempo-Songs, herrscht auf "Carolus Rex" Abwechslung und Vielfalt. Melodie und bombastische Chöre gab es natürlich bereits schon vorher, doch wenn Sabaton nun öfter mal das Tempo drosseln, wirken ihre mächtigen Momente noch epischer und wuchtiger, noch Gänsehautfördernder und Hitverdächtiger. Mit "The Lion From The North" beginnt das Album Sabaton-typisch, eine schnelle, harte und melodiöse Hymne als Einstieg. "Gott mit uns" beginnt dagegen mit klassischen Melodieelementen und filigranter Instrumentalarbeit und entwickelt sich zu einem absoluten Übersong. "A Lifetime Of War" ist gleich der nächste Ohrwurm, dieser schleppende, melancholische Geniestreich begeistert durch einmalig eindringliche Atmosphäre und ergreifende Stimmung. "1 6 4 8" zieht das Tempo wieder an und überzeugt mit den Sabaton-typischen Trademarks, "The Carolean's Prayer" startet sakral, um danach als wuchtige Midtempo-Hymne den nächsten Treffer zu setzen. "Carolus Rex" ist wahrlich ein königliches Album, auf dem sich nicht ein Ausfall befindet bzw. ein Song abfällt. Fans sei auch die schwedische Version ans Herz gelegt. Ganz großes Kino.