"We Are The Others", was will uns Keyboarder Martijn Westerholt damit sagen? Man weiß doch, dass sein Bruderherz Robert Gitarrist bei Within Temptation ist und man das gleiche Feld beackert, obwohl Delain mittlerweile heftiger musizieren beziehungsweise sich eher dem früheren Stil ihrer Landsmänner annehmen. Mit den ersten beiden Alben hat sich die Band einen ordentlichen Namen gemacht, mit ihrem 2009er Zweitwerk "April Rain" gab es sogar eine ausgedehnte Headlinertour durch ganz Europa sowie Gigs in Nord- und Südamerika. Diese Erfahrungen spiegeln sich im dritten Album "We Are The Others" wieder, obwohl sich die Band für das Songwriting Zeit genommen hat. Das Ergebnis ist ein kurzweiliges, kraftvolles und ins Ohr gehendes Album mit vielen eingängigen Melodien und massiver Wucht. Interessanterweise ist diese opulente Produktion (Jacob Hellner hat alle beteiligten Musiker an ihre Grenzen geführt) nicht ganz einfach für den Bandchef Martijn Westerholt gewesen: "Für mich waren es Aufnahmearbeiten from Hell! Ich habe das erste Mal mit einem Produzenten gearbeitet und musste so viele Dinge aus der Hand geben - für mich als absoluter Kontrollfreak keine leichte Aufgabe". Der Opener "Mother Machine" beginnt mit modernen Riffs und einem eingängigen Gitarrenthema und mündet in einem ergreifenden Refrain. Starker Auftakt. Der Titeltrack besitzt einen ernsten Hintergrund: Der Text beruht auf dem Mord an dem britischen Mädchen Sophie Lancaster, die im August 2007 in ihrer Heimatstadt zusammen mit Ihrem Freund wegen ihres Gothic-Looks von einer Jugendbande ins Koma geprügelt wurde und später aufgrund ihrer Verletzungen starb. Verpackt wurde die Geschichte in einen weiteren Gothic-Metal-Ohrwurm mit fast schon poppigem Refrain. Mit "Are You Done With Me?" und "Get The Devil Out Of Me" werden weitere Ohrwürmer geboten, die mit großen Melodien und noch größeren Breitwand-Refrains aufwarten. Modern wird es mit "Generation Me", das raue "Where Is The Blood" punktet mit Fear Factory-Shouter Burton C. Bell, der die Gastvocals übernommen hat. Sehr sphärisch, aggressiv und fett. "We Are The Others" zeigt Delain mit großer Bandbreite, abwechlungsreich, hymnenhaft, absolut eingängig und variabel im sensationellem Sound mit den besten und dramatischsten Szene-Refrains seit langem. Freunde dieser Spielart kommen an diesem Album nur schwer vorbei.