Bevor Kinder, die Schlagzeug lernen, ein richtiges Schlagzeug bekommen, haben sie erst nur ein Übungspad aus Gummi, auf dem sie die Schlagtechnik lernen. Weil ihnen das aber schon schnell nicht mehr ausreicht, bauen sie sich aus Haushaltsgegenständen ihr eigenes Set zusammen - aus Stühlen, Bällen und Kochtöpfen. Letztere befinden sich auch am Schlagzeug von Thom Green, dem Schlagzeuger der Band alt-J. Statt Becken benutzt er Kochtöpfe - allerdings nicht, weil er kein vollständiges Schlagzeug hätte, sondern weil in ihrem ersten Proberaum nicht genug Platz für die Becken war. Behelfsmäßig hat er deswegen auf die platzsparenden Kochtöpfe umgesattelt - und ist einfach für immer dabei geblieben. Das Schlagzeug ist das einzige konstant organische Instrument auf 'An Awesome Wave', dem Debütalbum von alt-J, das ansonsten von sphärischen Synthesizern dominiert wird. Gitarren und reines Klavier kommen nur selten zum Vorschein. Und selbst das organische Schlagzeug klingt wegen der metallisch klimpernden Kochtöpfe immer sehr wie ein elektronischer Beat. Durch die elektronischen Elemente und den hohen Gesang von Joe Newman kommen alt-J dem Stil von The Antlers recht nahe. Im Hidden Track namens 'Handmade' erkennt man an der schnell gezupften Akustikgitarre, dass sie wohl ursprünglich aus dem Folk stammen. Davon ist allerdings auf dem Rest des Albums nicht mehr viel zu erkennen, weil sie ihre Einflüsse zu etwas Eigenem und Interessanterem weiterverarbeitet haben. Textlich bewegen sich alt-J in äußerst verzwirbelten Konstruktionen. Nur hin und wieder gibt es mal Passagen, die sofort einen nachvollziehbaren Sinn ergeben, z.B.: 'Bite chunks out of me, you're a shark and I'm swimming. My heart still thumps as I bleed, and all your friends come sniffling.' ('Tessellate') Aber meistens fügen sie die Wörter nur in eine lose, assoziative Kette aneinander, wie beispielsweise im Stück 'Fitzpleasure': 'Steepled fingers, ring leaders, queue jumpers, rock fist paper scissors, lingered fluffers - in your hoof lies the heartland.' oder im Stück 'Dissolve Me': 'She makes the sound the sea makes to calm me down. I am see-through, soap sliver, you're so thin. As I begin rubbing lathers up, your state worsens on my skin.' Hierzu musizieren die Synthesizer übrigens wie ausgelassene Panflöten - ein Kontrast zu den ansonsten sehr getragenen und immer ein bisschen verdrossen klingenden Melodien. alt-J machen verschrobene, träumerische Musik mit einem sensiblen Gespür für packende Melodien - und das beeindruckend-unkonventionelle Schlagzeugspiel macht sie und ihr Debütalbum 'An Awesome Wave' dann zu etwas Äußergewöhnlichem. PS: Nicht zu vergessen der tolle, von innen origami-artig gefaltete Schuber, in dem die CD steckt. Ein Festival für jeden, der Musik auch gerne anfasst!