Wenn es als Mann mit den Frauen nicht klappt, kann man traditionell... a) ... die Schuld bei sich selber suchen. b) ... die Schuld bei den Frauen suchen. Möglichkeit a) verfolgt ja momentan fast jeder aufstrebende Songwriter, indem er tiefgründig baumelnde Texte mit sehnsüchtig verwuschelten Haaren kombiniert. Das passiert Sebel aus dem Ruhrpott nicht. In seinen Texten wählt er die Worte einer Männer-Runde beim Stammtisch - und damit Möglichkeit b). Seine Haare sind zwar auch verwuschelt - aber nur, weil er wieder irgendwo auf dem Sofa gepennt hat. Sebels Debüt-EP 'Scheiss Auf Die Disco' eignet sich zum Mitgrölen und Mitsummen, sie vereint knarzig-quäkende Stoppok-Stimme mit hübschen Rock'n'Roll-Melodien. Sogar eine Orgel spielt mit und sorgt für die Lässigkeit. Der titelgebende Hass auf Discos rührt von Sebels Theorie her, dass Frauen von der Disco zu Party-Girlies und -Flittchen erzogen werden und deswegen uninteressant für ihn werden: 'Lass das Kichern sein, es wirkt erzwungen und aufgesetzt - der Alkohol tut Dir nicht gut.' Sebel träumt davon, dass in der Disco die Frauen nicht angetan sind von der elektronischen Tanzmusik, sondern von ihm. Diesen Traum lebt er im zweiten Song der EP aus, der den vielsagenden, Die Kassierer-ähnlichen Titel trägt 'Wer Soll Das Alles Ficken!?'. Darin erzählt er, wie er statt samstags einfach mal mittwochs in den Club geht, quasi am Geheimtipp-Tag. Und prompt ist er im Paradies: 'Als mich der Türsteher reinlässt, werd ich fast verrückt: Der ganze Laden mit den geilsten Ollen gefüllt!' Das führt zu der Erkenntnis: 'Soviel kann keiner ficköööööön!' In diesem Moment würden dann beim Stammtisch die Kollegen in Grölen und Jubel ausbrechen. Angesichts seiner Wortwahl, mit der er die Frauen verdinglicht, möchte man schon die Hände über dem Kopf zusammenschlagen - doch Sebel überzeichnet dieses Proleten-Gehabe so stark, dass es deutlich als Witz erkennbar ist. Bei so einem Party-Leben verkommt natürlich die eigene Wohnung ein bisschen - zum Erschrecken der deutschen Hausfrau. In den Titel 'Wie Deutsch Kann Man Sein!?' baut Sebel ein fingiertes Telefonat mit seiner Vermieterin ein und lässt sich über die typisch-deutschen Tugenden aus, die nicht einmal ein paar leere Bierflasche im Flur dulden: 'Hauptsache bei Ihnen is alles klar: Die Geranien sind gegossen, der Daimler ist poliert und die Wäsche ist gewaschen, ne? Natürlich weißer als weiß, wat? So geht dat nich weiter mit uns. Dat is mir alles viel zu deutsch hier. Sie, Frau Kowalski, Sie könn sich ma schön nen neuen Mieter suchen - und ich, ich geh jetzt surfen!' Wenn Sebel dann mal ernster textet, behält er dabei seinen Stil bei, statt aufgesetzter Intellektualität zu verfallen. ('B-Prominenz') Wie man am Bonus-Track, einer Solo-Live-Version des Songs 'Scheiss Auf Die Disco', unschwer erkennen kann, sind Sebels deutlichste Fähigkeiten die des Entertainers. Er ist wohl nicht der beste, aber - und das ist momentan als deutscher Songwriter beileibe nicht selbstverständlich - auf jeden Fall authentisch. Bei den Frauen wird es damit aber auch wieder schwierig. Denn die stehen ja anscheinend momentan zuhauf auf sanfte Jungen mit Schal - statt auf lustige Hallodris mit Donald Duck-Shirt.