Ulver sind mit Sicherheit eine der unvorhersehbarsten Bands, die es im Metalbereich gibt, und das schon seit Jahren. Jedes Album klingt anders, und nicht nur ein bißchen. Wenn nicht fett Ulver auf der CD-Hülle stehen würde käme wohl kaum jemand auf die Idee, dass es sich bei diesen so grundverschiedenen Veröffentlichungen um dieselbe Band handelt. Angefangen hat es mit der hymnischen Black Metal-Scheibe 'Bergtatt'. Darauf folgten mit 'Kveldssanger' ein Folk-Album, mit 'Nattens Madrigal' ein absichtlich auf schrottig getrimmtes Scheibchen bösesten Geprügels, mit 'The Marriage Of Heaven And Hell' ein Ambient /Alternative Metal-Album, sowie Trip Hop auf 'Perdition City', ein instrumentaler Klangteppich namens 'Teachings In Silence', der zwei kurz zuvor getätigte Veröffentlichungen zusammenfasste, sowie die Ambient /Alternative / Jazz /Metal-Scheiben 'Blood Inside', 'Shadow Of The Sun' und 'War Of The Roses'. Da die letzten drei Alben in einem zwar extrem grob und sehr weitläufig bezeichneten Genre aber doch innerhalb eines Stiles gehalten wurden schien es den Mannen um Rygg wohl an der Zeit – ja, genau! – etwas Anderes zu machen. Wer hätte damit rechnen können… Auf 'War Of The Roses' gab es schon den einen oder anderen noch sehr versteckten, aber doch insbesondere beim genauen Hinhören klar erkennbaren Hinweis darauf, in welche Richtung sich 'Childhood’s End' bewegen könnte – nämlich in Richtung Psychedelic. Das nun daraus das Album geworden ist, das hier vorliegt hätte man aber niemals erahnen können. Denn 'Childhood’s End' ist ein Ulver – Album ohne eine einzige Note Ulver, das eindeutig so klingt, als hätten Ulver es geschrieben. Klar soweit? Bei 'Childhood’s End' handelt es sich nämlich um ein Album, das ausschließlich Coverversionen enthält. Ulver plündern das Giftschränkchen der legendärsten Psychedelic-Bands der 60er und frühen 70er – und jeder einzelne Song klingt so, als wäre er nicht 40-50 Jahre alt sondern ein ganz neuer Ulver-Track. Jedes Stück passt perfekt ins System, das Album ist unglaublich harmonisch, die Songs sind perfekt aufeinander abgestimmt und zueinander positioniert – und klingen so, als kämen sie alle aus derselben Hand. Allein schon – ohne bereits auf die Qualität einzugehen – dieses Kunstwerk vollbracht zu haben, nötigt dem Hörer unglaublich viel Respekt ab. Die musikalische Umsetzung dann setzt der technischen Meisterleistung noch die Krone auf. Auf spezielle Songs einzugehen ist kaum nötig und auch nicht wirklich produktiv. Zwischen extrem bekifften Stücken in denen bei geschlossenen Augen sofort die Lavalampen glühen bis hin zu ernsthafteren Songs ist alles dabei, was die Ära des Psychedelic ausgemacht hat, und mit (beispielsweise) The Pretty Things, den Byrds, Jefferson Airplane, Beau Brummels und den Troggs sind bekanntere Namen dabei, aber auch absolutes Kultzeug wie Common People oder Gandalf ist vertreten. Eine geschichtliche Aufarbeitung dieser Bands würde jeden Reviewrahmen sprengen… Ulver jedenfalls verpassen den ausgewählten Stücken einen modernen Klang, bewegen sich dabei aber sehr in der Nähe der Originale und schaffen es mühelos, dabei den Spirit und das Feeling der Originale nicht zu verraten. Absolut puristische Die Hard-Fans der damaligen Epoche dürften vermutlich so ihre Schwierigkeiten mit dem sauberen Klang von 'Childhood’s End' haben, jeder andere kann unter zwei Möglichkeiten wählen. Erstens: Das Album einfach anhören, glauben es wären Songs von Ulver und glücklich sein. Zweitens: Das Album einfach anhören, glücklich sein und danach die Stücke ergoogeln und sich für einen Teil der Geschichte der Rockmusik mehr interessieren als zuvor. So oder so gilt, dass Ulver ein überragendes Psychedelic-Album veröffentlicht haben, das vor exakt richtigem Feeling nur so strotzt. Ein weiteres Highlight in der Geschichte einer der außergewöhnlichsten Bands aller Zeiten.