Oomph! hatten ja über die verschiedenen modernen Medien angekündigt, dass sich mit der neuen Scheibe 'Des Wahnsinns fette Beute' Einiges ändern wird. Nun, da der Wahnsinn aktenkundig geworden ist und der erste Blick auf den Comic, der das Cover ziert, tatsächlich eine Änderung wahrscheinlicher werden lässt, revidiert der erste Höreindruck diese Ankündigung doch beträchlich. Die Härte und Düsternis von 'Wunschkind', die sich mancher insgeheim zurückgewünscht hat, ist jedenfalls nicht Bestandteil dieser angeblichen Änderung. Im Gegenteil – Oomph! sind eher noch sanfter, ruhiger und radiotauglicher geworden. Deros Stimme ist immer noch sehr markant und hat einen hohen Wiedererkennungswert, man könnte sogar sagen, dass das Gesangsspektrum von Dero auf 'Des Wahnsinns fette Beute' noch ansehnlicher geworden ist. Diesen Fortschritt macht das nach wie vor banale, vordergründige und viel zu simple Songwriting der Band aber sofort wieder wett. Wer spannungsgeladene neue deutsche Härte erwartet, ist bei Oomph! mittlerweile leider am völlig falschen Platz. Hier und da tauchen Blechbläser auf, man orientiert sich stellenweise an Chansons oder gar klassischen Gassenhauern und Shanties aus den Hafenkneipen dieser Welt, überzeugen kann das alles leider nicht wirklich. Die Stücke sind nett, harmlos, manchmal ganz witzig, aber irgendwie fehlt das Energiegeladene, das Oomph! früher mal ausgemacht hat. Im Vergleich zu den letzten Alben ist 'Des Wahnsinns fette Beute' weder viel schlechter, noch wirklich besser. Klar, ein Track wie 'Seemannsrose' lässt aufhorchen, alle anderen 'großen Veränderungen' sind aber in Wahrheit nur ein paar neue Elemente, die man mit der Lupe suchen muss und die dem Gesamtbild der Musik von Oomph! zwar nicht schaden, aber die Band auch in keiner Weise auf ein neues Level heben. Es gibt den Versuch einer Ballade ('Unendlich') der mit seinem eigentlich guten, sehr traurigen und irgendwie an Janus erinnernden Text sehr zwiespältig ausfällt, da dieser Song wirklich deplatziert wirkt. 'Regen' und 'Bonobo' sind dann ganz subjektiv so ziemlich der größte Müll, den die Band je verzapft hat, mit schlechten Scratching-Einlagen einerseits und fahrstuhltauglichem Geseiere andererseits. 'Des Wahnsinns fette Beute' wird Fans von Oomph! größtenteils nicht abschrecken, auch wenn der eine oder andere wegen des seichten Gedösels, das die Scheibe dominiert, endgültig beschließen könnte, mit der Band nichts mehr zu tun haben zu wollen. Eine neue Fangemeinde aber wird die Band mit diesem langweiligen, harmlosen, ungefährlichen und irgendwie ganz netten Stück Pop-Rock nicht erschließen. Dass die Band-Homepage bei der Google-Suche immer noch als Elektro-Industrial angekündigt wird, ist allerdings ein schlechter Witz.