Die erste Begegnung war mehr als erfreulich. 'Friend Crush' hieß die erste Single von Brooklyns jüngster Pop-Sensation. Im vergangenen Sommer veröffentlicht, kroch sich das Stück unaufhaltsam in die Gehörgänge, um sich dort nachhaltig festzusetzen: Der Song ist cool in mehr als einem Sinne: sowohl kühl-distanziert als auch hip. Der Bass pumpt mechanisch, die Beats hallen hohl, die Gitarren klingeln verführerisch, ein Synth sorgt für die süße Glasur, die Stimmen machen sogleich auf unnahbar und come-and-get-me. Kein Wunder also, dass 'Friend Crush' nun auch das lang erwartete Debütalbum der Band eröffnet. Ein Album, das gefällt und schmeichelt, doch letztlich nicht euphorisiert. Auch die zweite Single findet man auf dem Longplayer wieder. 'I'm his Girl' vermengt die Shangri-Las mit einem Funk-Backing, was nach anfänglicher Skepsis dann doch ganz gut funktioniert. 'When you see me walking around with him', so Sängerin Samantha, 'I'm not just another chick, I'm his girl'. Was sie damit sagen möchte, bleibt schleierhaft, man scheint Eifersucht in Brooklyn, genauer Bushwick, dem Hipster-Viertel im Bezirk, nicht zu kennen. Zumindest solange der Beat gut ist. Bassistin Lesley greift dabei gerne und oft zu kleinen Holzpflöcken, die sie eifrig gegeneinander schlägt. Aber gerade das oftmals erklingende Nerd-Getrommel und die weiteren Quietsch-Sounds, die ach so cool wirken sollen, nerven mit der Zeit. Aus süß und hip wird leider nervig und aufgesetzt. Natürlich gibt es neben den Singles weitere Höhepunkte: Da wäre 'Va Fan Gor Du' mit seinem Twist-Sound und den giftigen Lyrics: 'Who do you think I am? Some bitch on the street, some piece fo meat? In your heart, in your soul, you're an asshole'. Oder 'Home' mit nach vorne treibenden Percussions und einer memorablen Melodie. Und auch 'A thing like this' gefällt mit Flötensound und einem netten 80er-Jahre-Gitarrenlick. Ihren ersten Auftritt in Berlin hatten Friends im Magnet Club. In solchen kleinen Clubs, vorgetragen mit Witz und Laszivität und mit einer Samantha, die das Bad in der Menge nicht scheut, entfalten sich die Songs der Band am besten. Hipsters unter sich halt. Oder anders gesagt: 'Manifest!' ist das musikalische Äquivalent zum Prenzlauer Berg.