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Wow, nun hat auch dieser Klassiker schon 20 Jahre auf dem Buckel. So alt waren Alben wie "Hell Bent For Leather" von Judas Priest, "Never Say Die!" von Black Sabbath, "Hemispheres" von Rush oder Van Halen's gleichnamiges Debütalbum als ich mich 1998 rum mit dem Metal-Virus ansteckte. Pantera haben im weiteren Krankheitsverlauf eine sehr wichtige Rolle gespielt, vielleicht gar die zweitwichigste nach Metallica, mit denen es - wie bei vielen anderen auch - anfing. Denn es gab eine Phase, in der ein Metallica-begeisteter Teenager nach dieser ominösen "nächste Band" suchte. Das war gar nicht so leicht, denn alles, was man ausprobierte, war eben "nicht Metallica" und hatte irgendwie nicht die gleiche Wirkung. Bis endlich mal ein Pantera-Clip im Fernsehen lief. Metallica hatten mir die Tür zum Metal geöffnet, Pantera haben mich hindurch geschubst.
"Vulgar Display Of Power" gilt den meisten als der Klassiker unter den Pantera-Alben, maximal das Major-Debüt "Cowboys From Hell" macht dem Werk bei dieser Einschätzung Konkurrenz. Was nicht bedeuten soll, das die folgenden Pantera-Alben es nicht mehr gebracht hätten (im Nutzer-Rating bei den Metal-Archives liegt beispielsweise "The Great Southern Trendkill" ganz vorn, nur knapp geschlagen von "Power Metal", dem vierten und letzten selbstveröffentlichten Album aus der Glam-Metal-Phase der Band). Aber es war "Vulgar Display Of Power", das der Band 1992 den kommerziellen Durchbruch verschaffte, Alltime-Klassiker wie "Walk" und "Fucking Hostile" hervorbrachte und einen riesigen Einfluss auf junge Musiker hatte, die heutzutage ihren Krach unters Volk bringen. Hört man sich die remasterte Neuauflage an, so stellt man fest, dass das Album den Test der Zeit bestanden hat. Die Songs sind allesamt sehr gut bis göttlich, das Album strotzt vor Energie und Leidenschaft und gleichwohl man Pantera-Einflüsse auf vielen später veröffentlichten Alben hören kann, ist der Stil nach wie vor unverkennbar und einzigartig.
Die "20 Years Later Deluxe Edition" kommt zwar leider nur in einer Standard-Plastehülle daher und bietet das um vier Seiten Liner Notes erweiterte Original-Booklet. Die Verpackung und das Drumherum hätten etwas spezieller sein dürfen, aber inhaltlich kann man nicht meckern: So finden sich auf einer Bonus-DVD die Musikvideos zu "Mouth For War", "Walk" und "This Love" und als besonderes Schmankerl der Auftritt der Band beim Monsters Of Rock 1992 im italienischen Reggio Emilia. Ach ja, und es gibt einen neuen Song!
"Piss" heißt der erstmals veröffentlichte Song, der während der Sessions zu "Vulgar Display Of Power" entstand und von Vinnie Paul für die Neuveröffentlichung aus dem Archiv gefischt wurde. Wo das Original-Album mit der tollen Heavy-Ballade "Hollow" aufhörte, gibt es nun also noch einen Song mehr im beliebten Pantera-Stil zu genießen. Das Riff, welches Dimebag während der Strophen von "Piss" spielt, kommt Dir aber irgendwie bekannt vor? Dann höre "Use My Third Arm", Track zehn von "Fary Beyond Driven", und achte hier besonders auf den Break bei 2:37 Minuten. Auch die Zeile "half assed for most his life" taucht hier wieder auf. Allein deswegen "Piss" den Status eines bislang unveröffentlichen Songs abzusprechen, wäre aber quatsch - zu unterschiedlich sind die Endresultate und "Piss" ist tatsächlich ein ausgereifter Song mit gewohnt groovigen Dimebag-Riffs, der auch auf dem Original-Release eine gute Figur gemacht hätte. Pantera meinten damals aber, dass der Song nicht so recht in den Fluss des Albums passe und ließen ihn daher weg. Als Bonus für diese Neuveröffentlichung macht er jedoch eine ganz hervorragende Figur, bewegt er sich doch locker auf dem Niveau von Songs wie "Rise" und "Regular People (Conceit)".
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