Holt die Schaufeln raus, es geht auf den Friedhof! Die Leichen der 70er-Jahre warten nur darauf exhumiert zu werden, um sie neu zu produzieren und als schmucke Alben auf den Markt zu werfen. Naja, so einfach ist es dann doch nicht, aber der heutige Kult um den Psychedelic-Doom-Rock der alten Zeiten scheint nicht enden zu wollen. Verständlicherweise. Immerhin gibt es mittlerweile einen Haufen wirklich guter Bands, die ihr Können an den Instrumenten schon oft genug unter Beweis gestellt haben und das Blut so richtig schön in Wallung bringen. Noch mal spezieller wird es, wenn eine Frau an das Mikrofon tritt. Auch das scheint gerade so richtig trendy zu sein. The Devil's Blood, Blood Ceremony, Huntress, Jex Thoth und jetzt Jess And The Ancient Ones. Macht sich ja auch verdammt gut so eine hübsche Frontfrau, die Doro mal ganz alt aussehen lässt. Zusätzlich erhält die Musik einen unvergleichlichen Charme bzw. einen ordentlichen Wiedererkennungswert. Bleibt nur die Sache mit der auditiven Übersättigung. Dabei kann das selbst betitelte Erstlingswerk der Finnen doch einiges mehr als nur mit einer Sängerin zu überzeugen. Gerade die Gitarrenfraktion packt den ein oder anderen Trick aus um die sieben Stücke wirklich hervorragend funktionieren zu lassen. Und der tapfere Einsatz des 70er-Orgel-Sounds rundet das Gesambildt nochmals ordentlich ab. Das ist schon allerhand, aber dennoch nicht genug, um wirklich aus der Masse herauszuragen. Wären da nicht die letzten zwei Nummern. "Devil (in G minor)" versetzt die rauchige Stimme von Jess in das schummrige Flair einer Blues-Kneipe. Pianoklänge, ein brummender Bass und das zärtliche Streicheln der Becken, Herz, was willst du mehr? Wie wäre es mit einem finalen Track namens "Come Crimson Death"? Dieser holt so wirklich alles aus der Band raus und führt es in einem kulminierenden Moment zusammen. Ein balladenhafter Einstieg mündet in knackige Gitarrenläufe mit geradezu epischem Solo-Flair. Hier nähert man sich zwar dezent an die Grenzen der Popmusik an, aber das mindert die entstehende Euphorie in keinster Weise. So bleibt nur zu sagen, dass es erstaunlich ist, wie sich Jess And The Ancient Ones in der Länge ihres Debütalbums aus den bekannten Mustern herausarbeiten und gerade zum Ende hin zur vollen Stärke gelangen. Wer auf die Klassiker der 70er-Jahre steht, wird mit diesem Werk voll auf seine Kosten kommen, aber auch die Innovation kommt nicht zu kurz. Da gibt es wirklich nichts zu meckern und es bleibt nur, eine uneingeschränkte Kaufempfehlung auszusprechen. Husch husch, in den Plattenladen des Vertrauens!