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Gojira ist eine Band aus Frankreich, die leider viel zu lang unter dem Radar geflogen ist. Mit 150 Leuten im Knaack war die Band häufig noch gut bedient. Wenn man sieht wie Morbid Angel beim Genre-Festival als Headliner vor 10.000 Leuten auftreten, ist das schon verwunderlich. Natürlich, Morbid Angel haben eine lange Historie - rein musikalisch und technisch sind Gojira aber mindestens auf demselben Level.
Man kann also nur hoffen, dass Gojira mit dem exzellenten neuen Album 'L'Enfant Sauvage' der Durchbruch gelingt. Wie ein wildes Kind (= 'L'enfant sauvage') dreschen und schreien sich Gojira durch elf Tracks; bleiben dabei aber fern der ausgetretenen Pfade. Primitivität gibt es nicht bei den technisch hochversierten Franzosen, die es schaffen, klassischen Death Metal hoch filigran, technisch komplex und dabei sehr modern zu interpretieren. Das ist Technical Death Metal vom allerfeinsten, angereichert mit einer Prise Metalcore - die aber so zurückhaltend in das Gesamtbild passt, dass selbst Puristen und Traditionalisten damit keine Probleme haben sollten.
Es gibt akustische Ein- und Überleitungen, derbsten Doublebass, fieses Geschrei, ruhigen, tiefen cleanen Gesang, wilde Soli und unglaublich viele Breaks. 'Born In Winter' klingt mit seiner tief gehauchten Stimme und der melancholisch hechelnden Gitrarre zu Beginn nach Tiamat, entwickelt sich hin zu doublebassgesteurtem Peter Tägtgren's Pain und kann fast als Death-Metal-Ballade durchgehen. 'Pain Is A Master' beginnt wie Opeth und macht weiter wie Morbid Angel mit Sepultura-Riffing. 'The Gift Of Guilt' klingt wie eine Mischung aus The Haunted und Heaven Shall Burn. Man sieht, Gojira sind stilistisch unglaublich vielfältig, brutal hart und extrem modern.
Im Gegensatz zu vielen anderen sogenannten Death-Metalcore-Bands sind Gojira aber überragende Meister ihrer Instrumente. Das Schlagzeug ist von einer Präzision, die auch Panzerchrist und At The Gates nicht besser hinkriegen würden, die Gitarren zünden ein Dauerfeuerwerk an Melodien, blutig schneidenden Riffs und einem noch dazu brillant produzierten Stahlgewitter. Die meisten Stücke bewegen sich dabei jenseits jeder sinnlosen Raserei. Im Gegenteil, die Songs sind in verschieden abgestuften Tempi im mittleren Geschwindigkeitsbereich gehalten und sind sich auch nicht zu schade, auf fast doomige Riffs zu setzen. Klar, es gibt auch geschwindigkeitsmäßige Ausreißer nach oben (die Grindcoreattacke 'Planned Obsolescene'), aber ansonsten setzen die Franzosen auf Breitwandriffs und zähflüssigen Doublebass.
Gojira haben trotz des von dem einen oder anderen möglicherweise bemängelten Fehlens der Höchstgeschwindigkeit mit 'L'enfant Sauvage' das mit Abstand beste ultrabrutale Scheibchen der letzten Monate zusammengetrümmert. Besser kann man anno 2012 technisch hochversierten Death Metal nicht machen. Ein Meisterwerk.
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