Deathcore hat seine Fans, vor allem in den USA; die meisten Metaller, Punks und Hardcore-Fans dieser Welt finden es aber weniger prickelnd. Zu viel aufgesetzt wirkende, meist in erster Linie durch digitale, überdimensionierte, nur auf Laut gebürstete Produktion geschaffene Härte. Das Songwriting zu wirr und bemüht komplex. Dazu eine visuelle Inszenierung, die weder metallischen Nerd-Charme noch punkige Räudigkeit anspricht. Mag alles irgendwo stimmen, aber hinhören sollte man manchmal trotzdem. So wie bei Whitechapel, die auch für mich schon eine Weile - neben Job For A Cowboy - zu den relevanteren Acts des Genres zählen. Und Death Metaller, die gerne Dying Fetus oder Cryptopsy hören, sollten mit Whitechapel eigentlich auch längst warm geworden sein. Auf dem vierten, selbstbetitelten Album sorgt Mark Lewis, der zuletzt "Beast" von DevilDriver und "To Hell With God" von Deicide produzierte, für den angebracht druckvollen Sound, der das richtige Maß zwischen Aggressivität und Differenziertheit findet. Was aber auch dieses Album aus der Menge an Deathcore- und Death-Metal-Veröffentlichungen heraushebt, ist das erneut hohe Niveau des Songwritings. Schon der Opener „Make It Bleed“ kombiniert brutale Geschwindigkeitsattacken mit sehr melodischen Momenten und auch „Hate Creation“ ist – anders als der Titel vielleicht vermuten lässt – ein Song, der stellenweise fast schon bedächtig um die Ecke lugt, dann aber auch in heftigen Angriffsmodus umschaltet. Vielleicht muss nicht wirklich jeder einzelne Tempowechsel sein, aber Whitechapel schaffen es dennoch mal wieder, ihre Songs fokussiert und zielstrebig zu gestalten - zumindest wenn man Genre-Maßstäbe anlegt. Einigen Prügelfans wird wohlmöglich gar das durchschnittliche Tempo nicht schnell genug ausfallen, denn der Anteil der ausgedehnten Midtempo-Passagen ist auffällig hoch. Ein Song wie „I, Dementia“ lebt beispielsweise vor allem von seinem groovigem, angezogenen Tempo und legt mehr Wert auf das Erschaffen einer düsteren Atmosphäre denn Circle-Pit-taugliche Speed-Einlagen. Die Variabilität im Songwriting, die, wie beim Outro von „Dead Silence“ auch mal Verschnaufpausen zulässt, sowie die wirklich gute Gitarrenarbeit, welche die gewohnt wuchtigen Stakkato-Riffwände mit ausgefeilten Soli und interessanten Licks kombiniert, machen „Whitechapel“ zu einem Deathcore-Album der guten Sorte, das nicht von seiner eigenen Heavyness erschlagen wird, wie es anderen Vertreters dieses Stils mitunter wiederfährt. Auch wenn sich in der zweiten Albumhälfte ein paar Motive zu wiederholen beginnen, liefern Whitechapel erneut Qualität ab und bestätigen ihren Szenestatus locker. Fans sollten sich die Doppel-CD des Album zulegen, die als Bonus die "Recorrupted"-EP enthält. Neben dem Albumtrack "Section 8" gibt es die Remixe von "This Is Exile" (vom gleichnamigen Album) und "Breeding von Violence" (vom Vorgängeralbum "A New Era Of Corruption"), eine Akustisversion von "End Of Flesh" (ebenfalls von "A New Era Of Corruption") sowie eine Coverversion von Pantera's "Strength Beyond Strength" (von "Far Beyond Driven") zu hören.