Heimataerde ist eine der Bands, die man unter Millionen Bands immer heraushört – und alleine dafür gebührt ihnen Respekt. Die im EBM beheimatete Band verweigert sich noch dazu konsequent jedem Remix-Wahn. Was für eine Ausnahmeerscheinung! Warum man Heimataerde sofort heraushört wird jedem nach spätestens einer Minute Hören klar. Das Konzept derben EBM mit mittelalterlicher Thematik, Texten und Instrumenten zu verbinden und klassische EBM-Sounds in mittelalterlichen Melodien zu verwenden ist ebenso spannend wie originell. Mit stilistischer Konsequenz folgt die Band diesem Konzept seit mittlerweile fünf Alben und diversen EP’s. Auch auf dem neuesten Werk 'Gottgleich' (na na, wir wollen ja nicht gleich übertreiben…) vollführen Heimataerde ihren Spuk aus der Effektetrickkiste auf höchstem Niveau. Der eine oder andere mag sich an dem sehr rauhen, fast atonal und neben der Spur liegend wirkende Gesang stören – aber wenn man versucht, sich mal ins Mittelalter zu versetzen kann man schnell zu dem Entschluß kommen, dass auch dort nicht jeder Musikant auch ausgebildeter Sänger war. Dementsprechend passt der etwas schiefe Gesang, der manchmal an Tanzwut erinnert, wunderbar zum Konzept. Außerdem variiert die Band den Gesang stark von Track zu Track. Auch musikalisch integrieren Heimataerde auf dem neuesten Album weitere Elemente, zu den mittelalterlichen Instrumenten und den EBM- Beats gesellen sich immer mehr harte, fast rammstein-esk wirkend Gitarren, die die Band in einer gewissen Form sogar in die Neue Deutsche Härte – Ecke stellen. Ein Stück wie 'Dein Opfer' jedenfalls könnte man auch in etwas abgewandelter Form von den üblichen Verdächtigen der harten Deutschrock-Szene erwarten. Um zu kontrastieren werden dann Stücke wie das grandiose Instrumental 'Al Naharot Bavel' gestellt, das mit seinem nachempfundenen Duduk eine ähnliche Stimmung wie der Gladiator-Soundtrack hervorrufen kann. Am meisten Spaß machen aber immer noch die dancefloortauglichen, schnellen Songs mit der mittelalterlichen Melodielinienführung, die auf stampfenden Gitarren und harten Beats aufgesetzt wird. 'Templerblut' und das überragende 'Pilgerlied' sind einzigartige Stücke, die der Band keiner nachmachen wird und erreichen locker die Qualität von Klassikern wie 'Unter Der Linden' . Heimataerde dürften mit ihrer extremen Mischung zweier diametral entgegengesetzten Stilreichtungen schwarzer Musik polarisieren. Man muss es mögen. Aber wer es mag wird schlichtweg begeistert sein.