Kritiker haben ihre Musik mit allerlei komischen, kaum existierenden Sub-Genres verglichen, oft ist von 'Dream-Folk' die Rede, wohl aufgrund Marissa Nadlers gespenstischer Stimme und der dunklen Töne, die sie ihrer Gitarre entlockt. Dabei ist Nadler vor allem eins: Traditionalistin. Und Überzeugungstäterin. Aufgewachsen in einem künstlerischen Haushalt, griff sie sich schon früh die Gitarre ihres Bruders. Auch Rückschläge konnten ihren Weg nicht stoppen. So musste sie ihr letztes, selbstbenanntes Album durch Spenden von Fans und Freunden finanzieren. 18.000 Dollar sollen angeblich zusammen gekommen sein. Genug, um nun mit 'The Sister' rasch ein weiteres, mit den gleichen Musikern eingespieltes und wieder von Brian McTear produziertes Album zu veröffentlichen, das intimer und zerbrechlicher daherkommt als der Vorgänger. Delikates Fingerpicking und Nadlers Mezzosopran stehen im Zentrum der acht Tracks. Ein sachtes Schlagzeug setzt manchmal ein, mal erklingt ein Mandoline, mal ein Cello. Muskulöse Arrangements finden man hier nicht. Obgleich 'The Sister' musikalisch spartanisch, dunkel und subtil klingt, sind die Texte doch hoffnungsvoller als auf dem Vorgänger. Statt Erzählungen über die Abhängigkeit zu Männern oder über das Leben mit Depressionen, geht es in den neuen Texten um Frauen, die ihr geschundenes Herz zurückerlangen, und um Paare, die versuchen, ihre Beziehungen wieder auf die Reihe zu bringen. Und auch Nadler selbst bestätigt, dass die schweren Zeiten vorerst vorbei seien: 'I just really started a new life for myself', gestand sie in einem Interview. Das Leben geht weiter, und so sieht Nadler das neue Album auch eher als 'a companion' zum Vorgänger und nicht als ein 'follow-up'. Wie dem auch sei: Die schwermütigen, zugleich lichten Songs bilden zusammen das bislang beste Album eines ansonsten schwachen LP-Jahrgangs ...so far.