Fear Factory haben ein Problem: Das zweite Album "Demanufacture" von 1995 kann eigentlich nicht getoppt werden. Mit diesem Werk haben Burton C. Bell und Co. seinerzeit ein wegweisendes Stück Musik erschaffen, dessen kalte, technoide Atmophäre perfekt mit emotionalen Ohrwurmrefrains und monumentalen Riffs von Dino Cazares sowie dem maschienenartigen Drumming von Raymond Herrera ergänzt wurde. Jedes weitere Werk wurde an dieser Veröffentlichung gemessen, lediglich "Obsolete" vermochte es noch, diese Einzigartigkeit zu wiederholen, nach diversen Streitereien, Wiedervereinigungen und Rausschmissen vielleicht noch "Archetype", das zu Großteilen vom ehemaligen Bassist Christian Olde Wolbers komponiert wurde, der allerdings auch Bandgeschichte ist. Nachdem Dino Cazares sich mit Burton C. Bell versöhnt hatte und beim Rest ein Großreinemachen veranstaltet wurde, kamen die Industrial-Pioniere mit "Mechanize" wieder auf Kurs, nun folgt "The Industrialist", ein Albumname, wie er passender für die kalte Atmosphäre im Kosmos der Angst-Fabrik nicht sein könnte. Dass Gene Hoglan nicht mehr dabei ist und nun die Drums komplett aus der Konserve kommen, stört nicht wirklich, da das maschinoide, omnipräsente Bass Drumming sowieso nie menschlich wirkte und dieses klinische Stilmittel zur Band gehört wie die typischen Coverartworks. "The Industrialist" geht den Weg von "Mechanize" konstequent weiter und offenbart einige der härtesten Nummern der Bandgeschichte, eingepackt in die wieder einmal opulente Produktion von Rhys Fulbers, der ordentlich Butter aufs Brot schmiert und das ganze Fabrikgebäude wackeln lässt. "The Industrialist" knallt ordentlich und aggressiv vor den Latz, mit "Recharger" und "New Messiah" folgen zwei Ohrenkrauler, die auf die typischen melodisch-klargesungenen Refrains setzen, ohne allerdings wirklich Emotionen zu erzeugen. "God Eater" zeigt sich abwechslungsreich und wechselt zwischen ruhigen und bratenden Parts. "Depraved Mind Murder" und "Virus Of Faith" sind typische Fear Factory-Abrissbirnen, denen aber die ganz großen Momente im jeweiligen Refrain fehlen. Das Instrumental "Religion Is Flawed Because Man Is Flawed" nimmt etwas Fahrt raus und lässt noch einmal Luft holen, um das abschließende "Human Augmentation" zu verdauen. Neun Minuten Geräusche und Sprachfetzen, aber ohne die Intensität von "A Therapy For Pain" - naja. Insgesamt ist "The Industrialist" ein Brocken, der für Fear Factory-Fans gemacht ist und gut reinläuft, aber der erhoffte Überflieger ist es nicht. Doch andere Bands würden ihre Großmutter beim Leibhaftigen eintauschen, um so ein Album hinzubekommen. Jammern auf hohem Niveau? Vielleicht...