Der Weg einer Freiheit wurden schon bei Erscheinen ihres gleichnamigen Debütalbums von einigen als die neue Hoffnung des deutschen Black Metal hochgejubelt. Der Verfasser dieser Zeilen fand das Gebotene wahrlich nicht schlecht, wollte aber die Begeisterung der Kollegen noch nicht so recht teilen. Bei aller Qualität blieb der Eindruck, dass das gewisse Etwas fehlte, man es mit einer gekonnten Huldigung alter Heldentaten von Satyricon bis Taake zu tun hatte, aber eben nicht mit einem fest auf den eigenen Füßen stehenden und dabei Spannung erzeugenden Werk. Warum nun also plötzlich das Album des Monats? Gab es vielleicht einen radikalten Stilbruch? Keineswegs, denn auch auf dem passend betitelten "Unstille" bleiben sich die Würzburger ihrem Stil treu - das bedeutet auch diesmal "klassisches" Black-Metal-Gewitter mit sehr melodischen, meist auf den epischen Effekt schielenden Gitarrenharmonien und einem bevorzugt Blastbeats donnernden Schlagzeug als Anpeitscher. Ebenfalls konstant zeigt sich der lyrische Ansatz, für den erneut Gitarrist und Songschreiber Nikita Kamprad verantwortlich ist. Kein Teufelszeug, keine nordische Mythen, sondern immer etwas surreal wirkende Texte der introspektiven Sorte ("Regen fällt auf ihn herab / ein Sturm, der einst die Welt verschlang / ungehorsam, unbeirrt / strammen Schrittes durch das Dickicht", um ein Beispiel aus dem Song "Vergängnis" zu geben). Nikita schreibt die Texte immer zuletzt und so, dass sie der Musik dienen. Vielleicht erklärt auch das die Abstraktheit vieler Passagen, aber interessanter und gehaltvoller als klischeehafte Teufelsbeschwörungen (wobei man nicht vergessen sollte, dass es auch im satanischen Black Metal mitunter sehr intelligente Texte gibt) order billige Wald- und Wiesenromantik ist das allemal. Was "Unstille" aber zu einem richtig guten Album macht, sind eben nicht die Neuerungen, sondern die einfache Tatsache, dass Der Weg einer Freiheit ihren Stil perfektioniert haben. Schon auf der guten "Agonie"-EP deutete sich an, dass die Band auf dem richtigen Weg ist und gut daran tut, ihrem Stil treu zu bleiben. Auf "Unstille" zahlt sich diese Beharrlichkeit nun aus und werden Der Weg einer Freiheit - aus meiner bescheidenen Sicht - endlich tatsächlich ihrem vorauseilenden Ruf gerecht. Es lässt sich schwer in Worte fassen, was genau dieses Mal so viel besser funktioniert. Vielleicht sind es die Melodien, die einfach besser, spannender, emotionaler ausgefallen sind als noch vor drei Jahren. Sicher merkt man auch den positiven Einfluss von Schlagzeuger Tobias Schuler, der das typische Black-Metal-Drummer-Repertoire höcht effektiv einsetzt und gerade bei einem rein instrumentalen, nicht übertrieben viele Wendungen nehmenden Song wie "Nachtsam" Akzente zu setzen weiß. Mit diesen eigentlich recht simplen Zutaten gelingt es Der Weg einer Freiheit auf "Unstille" vorzüglich, eine dichte, gefangennehmende Atmosphäre zu erzeugen. Gleichzeitig intellektuell anspruchsvoller und melancholischer als die Marduk-Schule sowie zugänglicher und lichter als die Deathspell Omega-Ausrichtung, scheinen Der Weg einer Freiheit ihre Nische zu finden, mit der sich die Band etwas erarbeitet, dass vielen jungen Band schwer fällt zu erreichen: Relevanz.