Man muss die Musik nicht neu erfinden, um mit ihr anzukommen, geschweige denn das Futuristische in sie hineinquetschen. Besonders gilt das im Dunkelwellen- und Gothrock-Sektor, in dem nur allzu viel lediglich bedingt Brauchbares umherwabert, mit dem gewisse Künstler ursprünglich eigentlich den großen Wurf landen wollten, aber dann vorerst gekentert sind. Micke Lönngren und Stefan Eriksson, die zwei Schweden von Brotherhood, zäumen das Pferd im positiven Sinne von hinten auf und besinnen sich des Ursprungs ihres Genres. Auf '...Turn The Gold To Chrome...' finden sich Elemente des holzig-düsteren Spirits, den dereinst die Pioniere von Bauhaus oder Joy Division verströmten. Punktuell lassen sich auch The 69 Eyes-Anleihen erkennen. 'Abigail' beispielsweise trägt mit den auch von Jyrki 69 und seinen Mannen gern verarbeiteten Damen-Background-Vocals und seiner ebenso typischen Strophen-Refrain-Divergenz sowie selbst der Basslinie so einiges an Ähnlichkeiten zur Musik der finnischen Gothrock-Veteranen in sich. Wiederum anders und mit einem schmeckbaren Spritzer Post-Punk eingerührt präsentiert sich das bittersüße 'So Many Stars', über dessen Laufzeit sich klangliche Assoziationen zum Tiamat-Album 'Prey' einfach nicht verflüchtigen wollen - was dem Genuss dieses vom tiefenentspannten Bassspiel und halb-analoger Percussion geführten Stückes nicht auch nur im Mindesten einen Abbruch tut. Stilgemäße Gitarrenriffs lassen Brotherhood daneben nicht unversucht. Und die geraten zuvorderst beim Opener 'End Of Time' und dem äußerst angenehm in seiner fünfminütigen Entwicklung zu verfolgenden 'Sleepwalking' zu markigen Distinktiv-Faktoren. Hinzu kommt ein beiden Kehlen entspringender, metallisch hallender Gesang so kühl, so rauchig und so atmosphärisch ergiebig wie Trockeneis. Schwache, aus der Reihe tanzende Songs - und das ist ganz bemerkenswert - kommen auf '...Turn The Gold To Chrome...' nicht vor. Brotherhood sind mit abgeklärter Ruhe und Besonnenheit bei der Sache und beherrschen erfreulicher Weise schon auf ihrem Debütalbum die Kniffe, die es sich geziemt zu verinnerlichen, bevor man sich ernstlich ein 'Gothic-' oder ein 'Dark-' vor die Klassifizierung knöpft. Weiter so - das tut gut.