Die wohlverdiente Sonntagsruhe im Liegestuhl draußen im Garten bei Vogelgezwitscher zu genießen, funktioniert nur bei gutem Wetter. Wenn es draußen regnet, gibt es es eine andere gute Entspannungsmethode - für Drinnen: Tennis im Fernsehen gucken. Das dauert schön lange, geht immer schön hin und her und der Kommentator sagt zwischendurch einfach mal für fünf Minuten schön nichts. Dieses Sonntagnachmittag-im-Sessel-mit-Tennis-dösen-Gefühl transportiert das italienische Ambient-Projekt Indian Wells auf seinem Debütalbum 'Night Drops'. Heraus kommt dabei 'Tennistronic', wie sie es nennen. Am deutlichsten tritt dieses Genre im Opener namens 'Wimbledon 1980' zu Tage, in dem Indian Wells die Schläge gegen den Ball und die Atmer der Spieler aus einem Tennis-Match zu einem Beat gemixt haben. Mit 'Golden Shoes' erklingen nur in einem weiteren Song noch Ballwechsel - allerdings hier nur manchmal und zudem im Hintergrund. Das Tennis-Motiv zieht sich also bei Weitem nicht durch alle Songs. Doch das ist jedoch kein Minuspunkt. Alle Stücke - ob mit Tennis oder ohne - bestechen durch ihre entspannte Stimmung: durch schwofende Synthies und beruhigende, sachte Beats. Hin und wieder tritt noch eine verfremdete, gesamplete Stimme ('Night Drops') oder ein Sound-Element wie knisterndes Feuer ('Deuce') im Hintergrund hinzu. Gegen Ende des Albums werden die Beats zwar etwas vertrackter und treibender - sind aber doch immer kurz vor dem Zerfließen, weil die Synthies weiterhin wabern und eine Temposteigerung so nur andeuten, aber nicht tatsächlich zulassen. ('After The Match') Für das Tempo in elektronischer Musik sind ja auch andere zuständig. Indian Wells schieben eine gepflegte, ruhige Kugel. Das gesamte Album kannst Du Dir für einen selbstgewählten Preis auf dem 'Bandcamp'-Profil der Band herunterladen.