Ich bin selbst etwas verwundert, dass ich mich bislang als riesiger Pantera-Fan nicht für Hellyeah interessiert habe. Erste These: Man war und ist als Schreiberling einfach zu sehr mit tausenden anderen Bands beschäftigt, als dass man noch Zeit und Muse hätte, sich auch mit Interpreten zu beschäftigen, die einem nicht vom Promoter unter die Nase gehalten werden. Mag stimmen. Zweite These: Hellyeah sind einfach nicht der Oberkracher, der die Ohren Spitz werden lässt. Stimmt - leider - definitiv. Mit "Band Of Brothers" legt die Band - neben Pantera-Drummer Vinnie Paul am Trommelgeschirr bestehend aus Sänger Chad Gray (Mudvayne), den Gitarristen Tom Maxwell (ex-Nothingface) und Greg Tribett (Mudvayne) sowie Bassist Bob "Bobzilla" Kakaha (ex-Damageplan) - bereits ihr drittes Studioalbum nach dem selbstbetitelten Debüt von 2007 und "Stampede" von 2010 vor. Vinnie Paul ist einer der coolsten und liebenswertesten Dudes im Metal und spätestens seitdem sein Bruder Dimebag auf der Bühne ermordert wurde, wünscht man ihm natürlich alles nur erdenkliche Glück dieser Erde. Daher will man auch Hellyeah und "Band Of Brothers" ganz unbedingt ganz toll finden. It's Vinnie Paul on drums, for fuck's sake! Allein, das Ergebnis kann einfach nicht überzeugen, es sei denn man steht auf eine durchschnittliche Nu-Metal-Band, die versucht, ein Pantera-Tributalbum abzuliefern. Mit beiden bislang veröffentlichten Alben in den Top Ten der U.S. Albumcharts sind Hellyeah in kommerzieller Hinsicht sicher ein Erfolg - dieser scheint aber vor allem auf dem Ruf der involvierten Musiker zu beruhen (Mudvayne haben ja auch mal ganz gescheite und erfolgreiche Musik verzapft). Oder auf dem Geschmack des U.S.-Mainstream-Metalpublikums, das sich von simplen Stakkato-Nu-Metal-Riffs und einem pseudo-aggressiven Schreigesang beeindrucken lässt. Zugegeben, die Songs auf "Band Of Brothers" gehen immer kräftig nach vorn und ab und zu rutscht der Band auch mal eine anständige, wenn auch dann recht gewöhnlich daherkommende Hookline heraus wie beispielsweise beim Titeltrack oder der Semiballade "Between You And Nowhere". Der Rest? Versucht zu angestrengt wie Pantera mit einer Brise Stadionrock zu klingen. Das Schlagzeugspiel ist übrigens knorke und versprüht auch produktionstechnisch den geliebten Pantera-Vibe. Aber Chad Grays Gesang kann einfach keine Akzente setzen und langweilt nach vier, fünf Songs einfach nur. Zu selten setzt er seinen guten Klargesang ein; sein Hardcore-Gebrüll ist eintönig. Die Gitarrenriffs knallen zwar ordentlich, sind aber Stangenware, bleiben nicht im Ohr, geben den Songs keine eigene Note und ... langweilen recht schnell. Das alles summiert sich zu einer Art Dicke-Eier-Breitwandfilm-Metal, der mit ordentlich Bier im Kopf sicher Spaß macht, aber einfach zu selten wirklich zu packen weiß. Der Grundgedanke stimmt, die Leidenschaft ist da, aber Hellyeah kranken zu sehr beim Gesang und vor allem auch an der Gitarrenfront. Und riffbasierter Metal mit einer Wagenladung durchschnittlicher Pantera-Gedächtnisriffs macht halt einfach dauerhaft keine Freude. Da hilft auch die ein oder andere nette Bluesrock-Harmonie nicht. Irgendwie machen Hellyeah aber Lust darauf, Vinnie Paul in einer Band mit Zakk Wylde zu sehen und zu hören. Nein, keine Pantera-"Reunion" mit Zakk als Dimebag-Ersatz - aber unter anderem Namen wäre das sicher der Hammer. Bei Hellyeah hat sich Vinnie - bei allem wohlverdienten Spaß, dem ihm diese Band zu machen scheint - nicht die passenden Mitstreiter ausgesucht. Schade.