Es gibt Alben, die benötigen viel viel Zeit, um wirklich zu zünden. Andere Scheiben schlagen dagegen ab der ersten Sekunde ein. Naja, dann gibt es noch jene Kandidaten, die sich neben der Biotonne am besten machen. Aber zu diesen gehört das neue Werk von Baroness ganz und gar nicht. Mit 'Yellow & Green' wird aus allen Rohren gefeuert. Die Musik der US-Metaller ist unfassbar vereinnahmend und intensiv, geradezu hypnotisch. Unwiderruflich wird man in ihren Bann gezogen. Das sind schon große Worte für den Anfang, aber jeder, der dieses Album gehört hat, wird dem zustimmen, denn nicht anderes haben Baroness verdient. Mit 'Yellow & Green' dürften es Baroness unter die ganz Großen schaffen. Denn gerade der Facettenreichtum dieses Albums sollte ein sehr breites Publikum ansprechen. Sei es nun Sludge oder Progressive, keine dieser Bezeichnung wird dem Gebotenen gerecht. Zwar liegen die Wurzeln der Band in den härteren Gefilden, sie scheuen sich aber nicht davor, die Extreme zu erforschen. Sei es mit 'Twinkler', einem folkigen Song, der kurioserweise an Bathory's 'Blood On Ice' erinnert, oder 'Collapse', einer Alternative-Indie-Perle. Dabei werden aber auch die fetten Bretter nicht vernachlässigt. Gleich der Opener 'Take My Bones Away' klärt die Frage, warum Baroness eigentlich in den Sludge-Gefilden schippern. So wie mit den Genres jongliert wird, oszilliert auch die Gefühlskurve. 'Yellow & Green' feuert die komplette Bandbreite der Gefühle ab. Von überschwänglicher Euphorie hin zu paralysierender Melancholie. Weist man den meisten Bands eine Stimmung zu, schaffen es Baroness mit Leichtigkeit alle menschlichen Facetten zu beanspruchen, hin zu einem bittersüßen Höhepunkt, der mit dem genialen 'Foolsong' erreicht wird. Was die Band bei diesem Zickzackkurs so einzigartig macht, ist ihre Fähigkeit, alles unter einen Hut zu bringen. Stehen alle Songs doch harmonisch nebeneinander, als wäre es das Natürlichste der Welt. Letztendlich schaffen es Baroness, über die komplette Spielzeit von knappen 77 Minuten spannend zu bleiben. Es gibt keinerlei Nieten unter den Songs, lediglich verschiedene Platzierungen innerhalb des verdammt hohen Niveaus. Wie sich die Rangliste genau gestaltet, muss jeder Hörer für sich entscheiden. Je nach Stimmungslage werden sich andere Favoriten finden lassen. Eine Eigenschaft, die nochmals für die Fähigkeit der Band spricht, nicht nur viele Menschen, sondern auch viele Emotionen anzusprechen. Ja, Baroness ist auf 'Yellow & Green' der ganz große Sprung gelungen. Ein Sammelbecken an Ohrwürmern, von denen keiner Abnutzungserscheinungen zeigt. Baroness entziehen sich jeglicher Einordnung in ein festes Genre und verwursten alles, was Rang und Namen hat, um schlicht und einfach einen ganz eigenen Sound zu erschaffen. Ein zeitloses Werk, voller Gefühl, Härte, Intelligenz und Losgelöstheit. Wer dieses Jahr an Baroness vorbei steuert, der hat etwas enorm Wichtiges verpasst.