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'Das wird 'ne ganz klare Sache', mag man sich denken, wenn man 'Sickness' von JOY/DISASTER in den Händen hält und die ersten fetteren Akkorde dieses Albums erklingen. Man wägt sich in Sicherheit und nimmt ohne Weiteres an, dass es etwas mehr als fünfzehn Tracks lang immer so oder doch zumindest stilistisch gleichförmig weitergeht. Gothic Rock und so weiter; wir verstehen uns. So betrüblich, wie der krankende Mann da auf dem Cover-Artwork hockt, mit einem Gesicht, das nach Brechreiz ausschaut, und von altbackenem, braunem Ornamentalgeschnörkle umgeben ist, so armselig erweist sich auch unmittelbar die Produktion der Platte: Die doch recht milchigen Aufnahmen strahlen eine Kellerraumakustik aus, unwillkürlich muss man Rost und an Blech denken. Was allerdings intendiert war, denn 'Sickness' ist unverkennbar als Ode an die Armseligkeit zu verstehen. Immerhin ist hierbei ja auch schon die Rede vom vierten Longplayer der Franzosen, die in ihrer Heimat als kurzum als Post-Punk-Act etikettiert werden.
Dennoch gibt es etwas, das man dann doch so nicht unbedingt erwartet. Schon 'Twins Of Misery' offenbart eine Prise Punk, und die Refrains dieses Stücks lassen mit der aufgeweichten Verwirbelung des Gesangs mit den dicken Gitarrenwänden an den Stoner Rock der Queens Of The Stone Age erinnern. Nicht die letzte abenteuerliche Assoziation, die sich während der fünfzig Minuten Spielzeit aufdrängt. Gegen Mitte des Albums nämlich kommt plötzlich 'It Makes Me Sick' - in Teilen schon fast ein Stimmungssong, wie er auch von einer Showband gespeilt werden könnte. So unmittelbar nach dem epischen, dramat(urg)isch aufgebauten 'Between Us', in dem Sänger Nico noch über das Einlegen von Getöteten in Formalin fantasiert und schließlich inmitten dröhnender Gitarren immer wieder gestehen muss 'I love you for your sickness / I love you for your pain', läuft 'It Makes Me Sick' flockig an gleich einer im Anschluss an all die Getragenheit offenbar nötig gewordene, im Album-Service mit inbegriffene Auflockerungsübung. Wenig später geht der Spaß weiter, und zwar mit 'When The Others Fade In Silence' nicht minder fernverwandt. Hier üben sich JOY/DISASTER in einer Spielart ihrer Musik, die mit frappierend viel Brit-Pop geladen ist. Franz Ferdinand lässt grüßen. Doch auch hier erfolgt eine Überleitung in typisch düstere Parts, die das Grundgerüst, aus dem die vier Franzosen aus Spieltrieb immer gerne mal wieder ausbrechen, allemal wahren dürften.
Die Krönung des rauchig-rustikalen Spiels, das übrigens ganz ohne Keyboard oder anderen feinfühligen synthetischen Zierrat auskommt, bildet die schwere Würze Nicos erdiger Vocals, die in ihrer kunstvollen Beschwertheit von der treibenden Rhythmusgitarre gestützt und einer jammernden Leadgitarre umspielt wird. Atmosphärisch lassen sich hier deshalb guten Gewissens die weniger überraschenden Vergleiche zu End Of Green ziehen.
Ganz der alten Schule gemäß zelebriert sich 'Sickness' schlussendlich mit seinem Titeltrack in ein recht opulentes, aber knappes Metal-Finale. 'She guides me into death', hallen die kraftvollen Schreie des Vokalisten wider und sprengen - wie es sich zum Abschluss gehört - dem Album die Fesseln. Ob wir es hier im Großen und Ganzen wirklich mit Post-Punk zu tun haben oder doch mit Gothrock oder gar -metal, ist kaum zu beantworten, kann aber glücklicher Weise dahinstehen. Fest steht: Wer authentische Ausflüsse klassisch-düsterer Kreativität mit liberaler Einstellung zur Genrebindung sucht, der kann und wird mit 'Sickness' nichts verkehrt machen. Die ungeschliffene, bisweilen stumpfe Produktion dieses Albums allerdings bleibt trotz ihres Beitrags zur Sinngestaltung Geschmackssache.
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