"This Time It's Personal" - so lautet ganz offiziell (aber aus Marketinggründen nicht auf dem Cover stehend) der Untertitel zu "Periphery II". Und von frei zu interpretierenden, lyrischen Bedeutungen abgesehen, wirkt der Titel vor allem programmatisch, denn "Periphery II" klingt tatsächlich eine Spur persönlicher als der Vorgänger. Von Menschenhand eingespielte Drums und Orchestrierungen ersetzen weitgehend Drumcomputer und Samples, wie sie beim Vorgänger noch zum Zuge kamen. Das macht zwar keinen nach fünf Sekunden hervorstechenden, riesigen Unterschied. Doch im Verlauf des Album spürt man den organischeren, lebendigeren Sound. Das macht sich bei dem musikalischen Ansatz, der nach wie vor viel Wert legt auf zahlreiche Tempo- und Rhythmuswechsel sowie teilweise sperrige Tonfolgen, wirklich gut, da es den Sound wärmer und runder macht. In ihrer Heimat, den Vereinigten Staaten, sind Periphery mit ihrem zweiten Album zu höheren Chartweihen gekommen. Die Amis stehen ja total auf komplexen, progressiven Metal der härteren Gangart. Diese spezielle Vorliebe führte unter anderem schon dazu, dass die Schweden von Meshuggah ihre höchsten Chartplatzierungen in den USA einfahren oder auch eine Band wie die deutschen Prog/Death Metaller von Necrophagist über Monate als Headliner durch die Staaten ziehen konnten. Periphery, obwohl auch sie mit extrem-metallischen Elementen umgehen, stehen freilich auf der Härteskala deutlich weiter im "soften" Bereich, wofür insbesondere Sänger Spencer mit seiner zwischen Emoklagen und Alternative-Rock-Gesang schwankenden Klarstimme sorgt. Im Screamo-Bereich fühlt er sich aber auch wohl, wobei er hier allerdings nichts Bewegendes anbieten kann. Das mag in erster Linie am Kreischgesang als solchen liegen, der meines Erachtens ganz grundsätzlich sehr limitiert ist. Andererseits wirkt Spencers Geschrei, obwohl ganz ordentlich dargeboten, manchmal auch einfach ein wenig schwachbrüstig. Das Wechselspiel funktioniert ganz grundsätzlich durch die Kontraste, die damit unweigerlich gesetzt werden, nur ist dies im modernen Metal schon seit über einem Jahrzehnt kein Alleinstellungsmerkmal mehr und wirkt in diesem Falle auch leider oftmals recht formelhaft. Bei einigen Songs ("Have A Blast") gelingen Periphery einige recht anständige, manchmal gar so etwas wie Emotionen versprühende Melodien; bei anderen Songs ("Scarlet") bleibt bei aller Mühe aber irgendwie nichts hängen und ist der Hörer irgendwann eher genervt denn berührt. Was bleibt, ist die gute Gitarren- und Rhythmusarbeit, bei der es jede Menge interessante Details zu entdecken gibt - der es aber auch ein Eingängigkeit mangelt. Alles klingt unheimlich kompetent und ausgefeilt, aber es passiert mit mir als Hörer einfach nichts. Die Ich-Perspektive ist hier ganz bewusst gewählt, denn irgendwann fragt man sich halt, ob man einfach nur der falsche Mann für die Rezension ist, weil man es nicht mit seinem aboluten Lieblings-Spielfeld der harten Gitarrenmusik zu tun hat. Nur leider gab es dann doch schon Alben von Bands wie The Ocean, TesseracT oder eben auch Meshuggah, die den Rezensenten zu beeindrucken vermochten. Die 69 Minuten von "Periphery II" jedoch ziehen vorüber, werden nie wirklich langweilig, lassen einen aber absolut kalt. Dafür, dass die Jungs an ihren Instrumenten allerhand tolle Sachen anstellen können und sich viel Mühe geben, abwechslungsreich zu sein, klingt das Ganze dann doch erstaunlich eintönig und zu kalkuliert, um emotionale Regungen zu verursachen. Wer modernen, dezent extremen Progressive Metal - oder "Djent", wie es manchmal auch genannt wird - total geil findet, wird mit "Periphery II" sicherlich viel anfangen können. Alle anderen wird es wohl ähnlich kalt lassen wie mich. Wer unbedingt modernen, anspruchsvollen, harten Progressive Metal hören will, greift zu "L'Enfant Sauvage" von Gojira. Das ist richtig klasse.