Wenn einem ein Glas aus der Hand fällt, ist es eigentlich ruckzuck auf dem Boden angekommen und zerschellt. Aber in der Wahrnehmung geht das alles viel langsamer vonstatten. Die Schrecksekunde dehnt sich dann ausgiebig. Deswegen fliegen bei 'Alarm Für Cobra 11' die Autos ja auch immer in Zeitlupe durch die Luft. Auf 'Worship', dem dritten Album der Noiserock-Band A Place To Bury Strangers, geht es eigentlich auch immer sehr zackig zu - doch wie beim herunterfallenden Glas merkt man das gar nicht, weil die dröhnenden, wabernden Gitarrenflächen das treibende Schlagzeug verschwimmen lassen und entzeitlichen. Und auch der Gesang bahnt sich nur dunkel hallend wie aus einem Nachbarraum den Weg ins Bewusstsein. Dass sich dabei einige Stücke sehr ähneln, ist entweder ein Zeichen für einen konsistenten Stil - oder aber für ein paar Ideen zu wenig. Zum zersplitternden Glas passen auch die Störeffekte, die A Place To Bury Strangers oft mit ihren Gitarren produzieren. Im Song 'You Are The One' klingt es gar, als hätten sie bei der Aufnahme zwischendurch immer mal wieder eine Kreissäge durch das Studio geschoben. Und in 'Revenge' ziehen sie ihre Effekte so lange in den dreckigen Sound, bis jeden Moment das ganze Equipment zu explodieren droht. Umso enttäuschender klingt dann der vorletzte Song des Albums, 'Slide', der mit seinem gleichbleibenden Computerbeat nicht an den energetischen Rest des Albums heranreicht. Anders zu sein als der Rest des Albums ist aber nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen für ein Stück von A Place To Bury Strangers - denn so verhält es sich nämlich auch mit dem Highlight des Albums. 'Dissolved' steigt mit ungwöhnlich zurückgenommenem Schlagzeug ein und verbreitet eine gefühlvolle Stimmung, durchkreuzt von ausnahmsweise nur leicht dissonanten Gitarrenakkorden - und wenn das Schlagzeug dann das Tempo anzieht, klimpert eine freudige Gitarrenmelodie in definierten Tönen dazu. 'Dissolved' fällt also völlig aus dem Rahmen des Albums, aber ist dennoch (oder gerade deswegen) seine Perle. Denn dieser Song puzzlet liebevoll die Scherben wieder zusammen, die die anderen verursacht haben.