Nun durfte auch der Bruder mal ran: Angus Stone legt mit 'Broken Brights' sein erstes Solo-Album ohne Schwester Julia vor und freut sich, dass er endlich mal allein das Steuer in der Hand hatte und die Chose dann auch noch in Eigenregie durchs Studio schaukeln konnte. Als 'a whole different trip' bezeichnet er zufrieden das Ergebnis. Das trifft es zumindest in einem Stück auf dieser Platte nicht ganz. Denn an 'Wooden Chair', der bisher ausschließlich gemeinsam mit Julia Stone aufgenommen und performt wurde, hat Angus Stone die ungewohnte Ungebundenheit gleich einmal ausprobiert und das Stück nach eigenem Gusto neu kreiert. Herausgekommen sind dabei eine im Vergleich zur Urversion deutlich fettere Gitarre, forscheres Pfeifen, lebhaftes Klatschen und ein paar anregende Zwischenrufe als Sahnehäubchen. Der Rest ist, wenn es sich auch in gewisser Weise um eine Art Schmelztiegel liebgewonnener Tradition inklusive einer Prise Western (vgl. 'The Blue Door') handelt, neu, und bis auf vernachlässigbare Momente weitgehend qualitätsstabil. Das jedenfalls gesanglich unverkennbar dylaneske 'It Was Blue' kommt mit gestrichener Unterstützung und klar ersichtlichen Anleihen des großen Meisters daher - und zeigt, was passiert, wenn der Australier seine Stimme einmal von der Leine lässt. Es ist aber mitnichten so, dass sich Angus Stone in seiner gesanglichen Performance festgelegt hätte. Wozu sollte man das auch tun, wenn man in der Lage ist, immer andere Facetten aufzulegen. Und es ist mitnichten so, als hätte sich der gesamte Inhalt des Albums erst zu dessen Selbstzweck im zielgerichteten Songwriting Bahn gebrochen. Im Gegenteil: Weite Teile des Albums sind finale Ausdrücke von während der gemeinsamen Tour-Reisen aufgekommenen kreativen Ergüssen. Zu nennen wäre da beispielsweise 'Bird On The Buffalo', von seiner Grundidee her ein astreiner Country-Kandidat, der einfach für sich selbst steht und dem man seine Ausgereiftheit förmlich anhört. Dort stört eine gefuzzte Lead-Gitarre immer wieder und trotz ihrer eigenwilligen Unregelmäßigkeit auf angenehme Weise die durchgängigen, weichen Akkorde auf der Akustischen. Es scheint, als habe der sachte und eher stoisch murmelnde statt inbrünstig singende Angus Stone sich hier entschieden, seine Emotion dahin auszulagern, wo sich die Aufmerksamkeit des Hörers ohnehin sammelt, nämlich auf die Spur ebenjener jammernden, einsam wirkenden E-Gitarre. Zur Niederschrift dieses Stücks verleitet wurde Angus Stone übrigens, als er allein und völlig fertig auf seinem Tour-Hotelzimmer über symbiotische Beziehungen zwischen Vögeln und Büffeln nachdachte. Dass allerdings 'Broken Brights' kein Album eines allzu kontemplativen Ermüdungsmusikers darstellen soll, impliziert bereits der immer lebhafter aufspielende Opener 'River Love', der in 'Lalala'-Lautmalereien seitens Angus Stone und jauchzende Feierlaune unter den Streichern gipfelt und schließlich in den stilleren Titel-Track mündet, der den Hörer mit seiner allanwesenden Akustikgitarre umgibt - auch schön. 'Only A Woman', ein weiterer Höhepunkt auf 'Broken Brights', scheint zum Klassiker geboren: Eine verwegene, rockige Leadgitarre wie aus den 70ern, begleitet von schönen Klavierlicks lädt über knapp sechs Minuten motorisierte Cowboys zu einer leichtgängigen Cabriofahrt ein. Vorausgesetzt, eine küstennahe Landstraße in naturbelassener Umgebung und ein Sonnenuntergang befinden sich in erreichbarer Nähe. Ach, wie herrlich das doch wäre. Was bleibt noch zu sagen? Wo sich Banjo und Trompete in aller Eintracht ergänzen und die Violinen sich folkig zerzausen, und immer noch alles locker-flockig rüberkommt, während man sich selbst noch über die Panflöte freut und dabei dann noch ganz ohne Zigarette innerlich zu einer Art Ruhe kommt, da, und genau da ist Angus Stone.