Ok, Sänger Maryann Cotton sieht aus wie die jüngere, dunkelhaarige Version von Joey Tempest und kommt optisch ca. 20 Jahre zu spät, doch der Reihe nach... Mary Ann Cotton (* 15. Oktober 1832 in Low Moorsley, Sunderland als Mary Ann Robson; † 24. März 1873 in Durham) erlangte in der Geschichtsschreibung ihre Berühmtheit als eine britische Serienmörderin in der Victorianischen Ära. Mary Ann Cotton vergiftete 20 Menschen mit Arsen, darunter ihrer vier Ehemänner, zwei Liebhaber, ihrer Mutter und ihrer eigenen Kinder. So wurde dieser Name zum Synonym für Arsenvergiftungen. Wenn sich eine Band nun nach dieser Dame benennt, mutmaßt der unvoreingenommene Fan entweder eine Gothic-Combo, eine Black Metal-Band oder eine Gothic Black Metal-Formation. Eine Hard Rock-Band vermutet wohl niemand hinter diesem schweren Namens-Banner. Diese Dame inspiriert heuer einen jungen Dänen zu seinem Künstlernamen: Maryann Cotton. Klingt irgendwie intelektuell nach King Diamond? Richtig! Denn der einstige Teilnehmer an der dänischen Castingshow Scenen Er Din, deren deutscher Ableger Star Search hieß, scharrte etablierte Musiker mit Hal Patino, Andy LaRocque, Pete Blakk und Snowy Show um sich, die früher oder immer noch für den Dänen-King aktiv sind bzw. waren. Wie kommt ein Casting-Mensch an solche Namen heran? Ganz einfach: Maryann Cotton heißt mit bürgerlichem Name Jackie Patino und ist der Filius von Hal Patino. Ein Abklatsch vom King ist Maryann Cotton trotz der namenhaften Unterstützung nicht, musikalisch erinnert der Däne eher an eine moderne Version von Alice Cooper bzw. spielt zeitgemäßen und frischen Hard Rock. Sprich: Eingängigkeit wird groß geschrieben, mit Groove und Ohrwurmmelodien. Moderne Gitarren harmonieren mit sphärischen Keyboardsounds, treibende Rhythmen treffen auf klassisch-hochwertige Hard Rock-Refrains, die sich im Ohr festsetzen. Frisurtechnisch erwartet man hier allerdings etwas anderes... "Heaven Send For Me" beginnt sehr pathetisch, cooler wird es dann aber mit "Never "Waste" Land", "Crazy" bedient die emotionale Schiene, "Free Falling Angels" erinnert an Alice Coopers "Hey Stupid"-Scheibe", "Die In Britain" ist ein feiner, moderner Hard Rock-Tritt in die Zwölf und einer der eingängigsten Songs des Debüts von Maryann Cotton. "Miss Misery" kommt fast mit einer Ska-artigen Grundstimmung daher, "Shock Me" punktet mit Gute-Laune-Chorus, der Abschluss "Maryann" tritt nochmal auf die emotionale Tränendrüse. "Free Falling Angels" ist ein interessantes Debüt mit vielen guten Ansätzen, hätte aber dennoch ein, zwei härtere Nummern gut vertragen. Dennoch sollten Freunde des gepflegten Hard Rock dieses Album antesten!