Oh je, was gab es in den letzten Jahren alles von Rhapsody beziehungsweise Rhapsody Of Fire zu berichten. Sicher auch einiges Musikalisches, aber der Split von Gitarrist Luca Turilli und Keyboarder Alex Staropoli ließ die Symphonic-Metal-Welt kurz den Atem anhalten, denn dieses grandiose Team mit ihren Mitstreitern wie Goldkehlchen Fabio Lione erschuf Genreklassiker wie "Legendary Tales" oder "Symphony Of Enchanted Lands", welche zu Blaupausen für gefühlte Hundertschaften an Klon-Gruppen wurden, die den cineastischen Stil kopieren wollten. Rhapsody sind eine Band, für die gilt: oft kopiert, nie (oder nur ganz, ganz selten) erreicht. Nun gibt es also zwei Rhapsodys. Eigentlich schön für die Fans, bekommen sie nun die doppelte Dosis monumentalen Hollywood Metals. Den Anfang macht Luca Turilli's Rhapsody mit "Ascending To Infinity", ein Album, das erneut dem Begriff des Film Score Metal gerecht wird. Nach 15 Jahren und zehn veröffentlichten Alben mit insgesamt über 1,5 Millionen verkauften Exemplaren weltweit, beendeten die Italiener den mit ihren Fantasy-Sagen verknüpften Zyklus, als die epische Erzählung ihren Abschluss fand, auf der die gesamten Kompositionen und Texte der Band basierten. In diesem Zuge beschlossen Luca Turilli und Alex Staropoli, auch ihre langjährige Zusammenarbeit im Friedlichen zu beenden, um in Zukunft unabhängig voneinander ihren künstlerischen Karrieren nachzugehen. Während Originalsänger Fabio Lione bei Alex blieb, wurde Luca von seinen beiden Freunden Dominique Leurquin (Gitarre) und Patrice Guers (Bass) begleitet. Die wichtige Position des Sängers besetzte Luca Turilli mit dem Italiener Alessandro Conti, der sich in ähnlichen Sphären wie Fabio Lione bewegt und ein Tenor-Studium an der "Corale Lirica Rossini" belegte. Sein beeindruckendes Spektrum mit zahlreichen Wechseln von hohen Passagen und erstaunlich aggressiven Teilen zeigt, dass die Wahl auf den richtigen Mann gefallen ist. "Quantum X" stellt einen orientalisch anmutenden Einstieg dar; ein Sprecher stimmt auf die bevorstehende Achterbahnfahrt ein und ein erster Eindruck auf den bevorstehenden cineastischen Klangsturm wird gegeben. Der anschließende Titeltrack ist eine typische Turilli-Uptempo-Hymne mit vertrackter Schachtelstruktur, extrem vielen Elementen, der typisch neoklassisch orientierten Gitarren-Spielweise, Bombast-Chören und dem Monumentalgesang vom neuen Mann am Mikro. Besonders die opernhaften Elemente dieses Songs arbeiten die Unterschiede zu Fabio Lione heraus. Stark! "Dante's Inferno" erstaunt durch die aufblitzenden Keyboards und die fast schon schwerelosen, leicht wahnsinnig wirkenden Melodien, die die Thematik sehr spannend interpretieren. "Excalibur" hingegen beginnt mit mittelalterlich-inspirierten Melodien, wie man sie von frühen Rhapsody-Werken kennt, und ist eine klassische, vielschichtige Bandhymne, wie sie andere Bands nicht hinbekommen. In "Tormento E Passione" zeigt Alessandro Conti seine ganze Klasse, mehr Dramatik und Klasse ist in der Szene nicht zu finden. "Dark Fate Of Atlantis" beginnt wieder mit orientalischen Versatzstücken, schwer süßlich duftend und betörend, bevor die rasende Gitarrenjagd beginnt. Technisch und kompositorisch extraklasse, versehen mit erlesenen Melodien. "Clash Of The Titans" überrascht mit diversen Klangspielerein und mündet in eine dramatische Uptempo-Orgie mit massivem Refrain und einer musikalischen Untermalung des Themas, die so drückend ist, dass eine entsprechende filmische Umsetzung erst noch geschaffen werden muss. Das 16-minütige Epos "Of Michael The Archangel And Lucifer's Fall" beschließt das Werk und stellt kompositorisch wie auch aufnahmetechnisch eine absolute Herausvorderung dar. Dutzende Spuren verschmelzen zu einem Kunstwerk, das mehr ist als nur ein schnöder Song. Hier wird eine Geschichte musikalisch umgesetzt, dass die Bude wackelt. Großes Kino. Aber das ist ja bei Rhapsody, egal bei welcher Version, eigentlich immer der Fall. Man kann gespannt sein auf die Antwort von Keyboarder Alex Staropoli. Falls diese Qualität gehalten werden kann, ist diese Lösung ein Glücksfall für die Fans.