Wie schon mit einer nur unerheblichen Prise Willkür dem Titel ihrer zweiten Scheibe zu entnehmen ist, wollen die Cabaret-Electro-Briten namens AlterRed auch mit dieser Veröffentlichung gebührlich die Puppen tanzen lassen. Ein Viergespann sind sie, wenn auch mit einem hervorgehobenen und zuvorderst präsenten Mann/Frau-Duo an der Spitze, sodass es aussieht, als wollten sie ihre selbst angeführten Dresden Dolls-Referenzen noch zusätzlich unterstreichen und dabei ein wenig auf Fan-Jagd gehen. Doch halt: AlterRed, so werben sie, seien nicht einfach der Genredurchschnitt. Womit sie dies bewiesen zu haben glauben, erscheint allerdings schleierhaft und bedürfte einer näheren Erläuterung. 'Dollstown' muss sich zwar gewiss nicht vor Hässlichkeit verstecken. Aber zu allzu prunkvollen Inszenierungen besteht auch kein ersichtlicher Anlass. Denn das Album offenbart leider so einige Schwächen schon im Songwriting. Dabei fängt alles recht vielversprechend an: 'Dollstown' (der Track) macht mit hüpfenden, skurril anmutenden Piano-Akkorden Lust auf mehr und verwirrt zunächst mit waberndem Bass und reizvoll verwirrendem Wechselspiel in der Stimmlage des Sängers, der genau so heißt wie seine Band (wie Marilyn Manson). Ebendessen Stimme ist es dann leider auch, die mit ihren eigenwillig langgezogenen Vokalen, beispielsweise in 'Rebuild Rewire' so einigen Hörern im weiteren Verlauf des Albums auf den Geist gehen könnte, im Mindesten aber viel zu schnell Langeweile hervorruft. Besonders kraft- oder gefühlvoll ist der Gesang nämlich nicht; vielmehr mit gutem Gewissen austauschbar, vermag er sich doch insbesondere in der Gesellschaft von volleren Bässen und dichterer Synthetik nur so ganz eben über Wasser zu halten, was sich bei 'In Recovery' deutlich zeigt. 'Different Face' erweist sich als der Stimmungsmacher des Albums. Mit abgehackten 'Gitarren', die wohl eher dem Synthesizer entspringen, einer Art Westernklavier-Tune und dem auf diesem Album effizientesten Spannungsbogen hält es den Hörer zumindest ein bisschen in Atem. So gut klappt das sonst nur selten. Da wäre vielleicht noch das pulsierende 'Safe' mit seinem durch ein Kunstpäuschen eingeleiteten, wilden Refrain und der irgendwie recht flippigen Atmosphäre. Ansonsten überzeugt 'Dollstown' (das Album) immer wieder mal eben - nur leider immer nur in kleinen, schnell abgrenzbaren Fragmenten, sodass keines der Stücke am Ende wirklich durchgängig gelungen dasteht. Und dementsprechend das ganze Album einen nur bedingt souveränen Eindruck macht. In anderen derartig gelagerten Fällen gibt es dann meist einen oder zwei Pole, um die das restliche Stückwerk rotiert, um nicht viel mehr zu bewirken als die Spielzeit, die zum 'Album' fehlt, zu füllen. Die vermögen aber die Chose nicht selten noch zu retten. Hier jedoch bleiben 50 Minuten und 10 Tracks lang die Sternstunden fern. Trotz sichtlicher Bemühungen, 'anders' zu sein, reicht es dann doch nur fürs unstete Mittelmaß. Leider mischen AlterRed der Musikwelt nicht wirklich das Quäntchen Extravaganz bei, als dessen Inbegriff sie sich gern verstanden wissen möchten. Ungeschliffen? Ja. Diamant? Nein. Denn vieles lässt sich in der Kunst als Stilmittel auslegen. Aber leider nicht alles.