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Wenn es eine gute Heimat für verdiente Größen des Thrash Metals gibt, dann sicher Nuclear Blast, bei denen sich auch Kreator, Overkill, Exodus, Sepultura, Flotsam And Jetsam, Death Angel, Destruction, Heathen und Forbidden tummeln - und das zumeist künstlerisch wie kommerziell erfolgreich. Auch Testament gelang beim Donzdorfer Label vor vier Jahren mit "The Formation Of Damnation" ein ordentliches Quasi-Comeback nachdem Sänger Chuck Billy seine Krebserkrankung überwunden hatte. Mit "Dark Roots Of Earth" soll dieser Erfolg bestätigt und konsolidiert werden. Gesagt, getan. Das elfte Album der Herren aus Oakland ist ein mit guten Songs gespicktes, unterhaltsames Album geworden, das ziemlich genau das bietet, was man als Fan der Band hören will.
"Dark Roots Of Earth" vereint im Albumverlauf so ziemlich Alles, was Testament in ihrer Bandgeschichte ausgemacht hat: Es gibt typischen Bay Area Thrash Metal, melodische Midtempo-Godzilla-Riff-Stampfer sowie auch wieder einige seltene Schlenker in Death-Metal-Gefilde. Gerade Letzteres hat ja in der Vergangenheit die Testament-Fans in zwei Lager gespalten; auf "Dark Roots Of Earth" fügen sich diese Elemente aber meines Erachtens hervorragend ins Klangbild ein. Deutlich wird das gerade beim hervorragenden Doppelpack "Dark Roots Of Earth" und "True American Hate": Während ersterer sich - aufgelockert durch eine Thrash/Speed-Attacke - in walzenden, mittleren Geschwindigkeitsbereichen bewegt, an einige der Cinemascope-Songs von Metallica's schwarzem Album erinnert und von Chucks melodischem Gesang lebt, ist letzterer ein von hektischen Thrash-Riffs, gelegentlichen Blastbeat-Einsätzen und Chuck Billys recht tiefer Grunzstimme geprägter Kracher. An den Blastbeats bei "True American Hate" sowie bei "Native Blood" - wo sie auf interessante und gelungene Weise im Refrain mit langsam gespielten Riffs und Gesang kombiniert werden - ist übrigens Gene Hoglan "schuld". Paul Bostaph (ex-Slayer, ex-Forbidden, ex-Exodus) konnte vergangenes Jahr aufgrund einer ernsthaften Verletzung nicht mit ins Studio gehen, gehört aber auch Stand heute nicht zum Band-Line-up. Hoglan (der auch schon für Dark Angel, Strapping Young Lad, Devin Townsend, Death, Tenet, Zimmers Hole, Old Man's Child und Fear Factory die Drumkessel bediente), hat ja bereits auf dem Testament-Album "Demonic" von 1997 ausgeholfen und ist auch anno 2012 ein würdiger Ersatz, egal ob er nun die angesprochenen extremen Akzente setzte oder bei der Semi-Ballade "Cold Embrace" songdienlich, unaufgeregt und dennoch höchst kompetent den Rhythmus vorgibt.
Es wird sich zeigen, wie gut das neue Album den Test der Zeit besteht, aber nach den ersten Eindrücken haben Testament den Vorgänger "The Formation Of Damnation" sogar knapp übertroffen. Denn außer dem etwas durchschnittlichen "A Day In The Death" sind alle Songs auf "Dark Roots Of Earth" richtig gut, die stilistische Bandbreite (innerhalb der selbst gewählten Genregrenzen) sorgt für Abwechslung ohne in angestrengte Experimente auszuarten und Andy Sneaps geleckte Produktion hat zwar null Gossen-Appeal, passt aber gut zu einem Metalalbum, das die große Leinwand füllen will - und die Songs aufbietet, mit denen das auch gelingt.
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