Nach gewohnter zweijähriger Pause präsentieren Blood Red Shoes ihr drittes Album 'In Time To Voices', mit dem das britische Überfliegerduo nach eigenen Aussagen ihre bisherigen Vorstellungen und Ambitionen über Bord warfen und völlig neu definierten, sodass sie sich nicht mehr von ihren begrenzten Umsetzungsmöglichkeiten auf der Bühne einschränken ließen: 'We feel like a totally different band now. We feel like we're shooting for the stars.' Tatsächlich erscheint 'In Time To Voices' als erstaunliche Weiterentwicklung der Band, auf die man beim zweiten Album 'Fire Like This' vergeblich gehofft hatte. Bereits der titelgebende Opener beginnt ungewöhnlich ruhig. Diese neuen ausgeglichen Klänge, die zwar nicht weniger energiegeladen sind als die der vorangegangenen Alben, aber dennoch anfänglich etwas fremdartig daher kommen, beherrschen das gesamte Album. Ausnahmen sind lediglich einige Songs wie 'Cold', der ersten Singleauskopplung, 'Stop Kicking' oder 'Down Here In The Dark', mit der die Band an ihre 'alten', punkigen Zeiten anknüpft. Diese neuartige Abwechslung innerhalb ihrer Musik kommt sehr überraschend, sodass man sich erst durch mehrmaliges Hören darauf einstellen muss, um sie zu genießen. Dass Laura-Mary Carter und Steven Ansell ihre Heavy-Rock-Tradition jedoch nicht vollkommen vergessen haben, beweist der Song 'Je Me Perds', das mit Abstand schnellste, kürzeste aber gleichwohl auch dynamischste Lied auf der Platte, bei dem beide das einzige Mal ihre Stimmbänder mit wilden, verzerrten Screams strapazieren. Abgesehen davon, dass 'In Time To Voices' deutlich weniger Gekreische beinhaltet, liegen dennoch viele Gemeinsamkeiten bei den Texten zugrunde. Keine der Lyrics ist positiv konnotiert, sondern vielmehr durch eine stete, unterschwellige Melancholie durchsetzt, die sich immer wieder durch negative Motive wie 'ghost', 'fear', 'blackened sky' oder 'nightmares' manifestiert. Das Gefühl der Angst, das Gefühl eingeengt zu sein oder beobachtet zu werden ist omnipräsent, aber womöglich auch die Quelle für die leidenschaftliche Energie, die Blood Red Shoes immer noch zu transportieren vermögen – vor allem live auf der Bühne. Die Songs sind nun zweifelsohne radiotauglicher geworden, sodass das Album den Sprung in die deutschen Albumcharts mit #75 geschafft hat. Allerdings weiß man nicht so recht, ob einem dieser neue, mildere Sound mehr zusagt – musikalische Weiterentwicklung hin oder her. Das Album lässt sich im Gesamten dennoch gut hören, es fesselt jedoch nicht so sehr wie seine Vorgänger, die mit deutlich mehr markanten Dauerbrennern gespickt waren.