20 Jahre gibt es die Band aus Niedersachsen nun schon! In dieser Zeit haben Dew-Scented - vom arg durchschnittlichen Death-Metal-Debüt "Immortelle" mal abgesehen - immer gute Qualität in der Grauzone zwischen Thrash und Death Metal abgeliefert. Zum kommerziellen Durchbruch hat es leider nie gereicht, doch als beständiger, verlässlicher und sympathischer Bestandteil der Szene möchte man die Jungs auch nicht missen. Für "Icarus", das neunte Studioalbum der Band, musste Fronter Leif Jensen eine komplett neue Mannschaft um sich scharren. Dew-Scented 2012 bestehen nun neben Leif aus Marvin Vriesde (Severe Torture), der auch früher schon mal bei der Band ausgeholfen hat, und Rory Hansen (Anomaly, I Chaos) an den Gitarren, Joost van der Graaf (Cypher, I Chaos) am Bass sowie Koen Herfst (I Chaos, Xenobia) am Schlagzeug. Alles Niederländer und alles hauptberuflich derbe Death Metaller. Aber keine Sorge, Dew-Scented spielen nicht plötzlich kompromissloses Brutal Death Gemetzel, sondern gehen ihren Weg als deathige Trash-Metal-Band (und zur Abwechslung auch mal als thrashige Death-Metal-Band) konsequent weiter, auch wenn die Härteschrauben im direkten Vergelich zu den Vorgängern vielleicht ein klein wenig fester angezogen sind. Nach einem stimmungsvollen, melodiebetonten Intro geht es mit "Sworn To Obey" gleich in die Vollen und Eines wird sofort klar: auch mit komplett neuer Instrumenten-Fraktion klingen Dew-Scented immer noch wie Dew-Scented. Grundsolider Thrash Metal, der durch Leifs sehr aggressives Geschrei und gelegentliche Blastbeat-Attacken immer wieder in Richtung Death Metal schwingt. Das ist auch auf "Icarus" nicht innovativ oder besonders aufregend, macht aber Spaß. Was auch dieses Album zumindest ein kleines Bisschen aus der Flut an stilistisch ähnlichen Veröffentlichungen heraushebt, sind zwei Dinge: Einerseits die Tatsache, dass Dew-Scented mit ihrer etwas brutaleren Thrash-Metal-Variation zwar auch kein kariertes Zebra sind, aber zumindest nicht wie die x-te Kreator- oder Slayer-Kopie klingen. Andererseits schreiben Dew-Scented auch ganz gescheite Songs, verpassen dem Album einen guten Flow, packen das ein oder andere wirklich knackige Riff aus und können auch mit den (leider etwas spärlich zum Einsatz kommenden) Gitarrensoli überzeugen. "Icarus" ist damit genau das geworden, was man sich erhoffen konnte: ein erneut sehr kompetent gemachtes, geradliniges und unterhaltsames Album für Dew-Scented-Fans und all jene, denen das neue (gute) Testament-Album eine Spur zu gelackt und sauber klingt. Auf der limitierten Edition von "Icarus", die leider nicht Teil des Promopakets ist, gibt es übrigens noch den bandeigenen Song "In Dying Mode" zu hören sowie zwei interessante Cover-Versionen: "Steady Decline" von Prong und "No Spiritual Surrender" von Inside Out, der kalifornischen Hardcore-Punk-Band, bei der kein Geringerer als Zack de la Rocha Frontmann war, bevor er mit Rage Against The Machine berühmt wurde.