Drei Jahre nach dem hervorragenden "God & Guns" servieren Lynyrd Skynyrd mit "Last Of A Dyin' Breed" ihr 13. Studioalbum. Der letzte einer aussterbenden Art ist vor allem Gitarrist Gary Rossington. Als einzig verbleibendes Gründungsmitglied hat er sich über die Jahre von vielen Bandkollegen viel zu früh verabschieden müssen. Trotzdem sind Lynyrd Skynyrd weiterhin eine Macht - live wie im Studio. Das neue Album beginnt schwungvoll mit dem mitreißenden Titelsong, der nicht zuletzt dank des Klaviers das typische, beschwingte Southern-Feeling erzeugt. "An Open Highway's All I'll Ever Need", wird die Rastlosigkeit besungen, mit der Lynyrd Skynyrd 2.0 seit Jahren weltweit unterwegs sind. Ähnlich wie auf dem Vorgängeralbum klingt der Skynyrd-Sound modern und kraftvoll, geizt aber nicht mit klassischen Elementen wie Banjo, Wandergitarre, Mundharmonika und dergleichen. Man feiert sich selbst, das Leben, die Vergangenheit und die Frauen mit Gute-Laune-Rockern wie "Mississippi Blood", "Good Teacher" oder "Nothing Comes Easy". Wie Johnny Van Zant seine Frauen am liebsten mag, erfahren wir bei "Homegrown": "She likes to ride her motorcycle (...) She's got a gun rack (...) She knows that Jesus is the only one to safe me." Überraschen dürfte einen das nicht. Aber Lynyrd Skynyrd können auch ernsthaft, z.B. bei "One Day At A Time", in dem es um die alte Erkenntnis geht, dass wir alle irgendwann sterben müssen. Wer könnte das besser wissen als die Jungs von Skynyrd? "Start Livin' Life Again" empfehlen sie im gleichnamigen Song und raten von Koks und zu viel Alkohol ab. Die eigentliche Botschaft kommt eine Strophe später: "Let the good lord be with you, my friend." Skynyrd sind schließlich die Band der christlich-konservativen Werte. Nach eigenen Angaben hatten Van Zant, Rossington und Co. (inklusive Gast-Gitarrist John 5) einen Riesenspaß im Studio. Und das kann man auch hören. Aber die Band, die uns melancholische Hymnen wie "Tuesday's Gone" und "Simple Man" beschert hat, drückt auch gern mal auf die Tränendrüse. Bei "Ready To Fly" geht es um ein letztes Gespräch mit der eigenen Mutter. Viel Pathos, aber der Song trifft ins Mark. Schade, dass man aus dem Fünfeinhalbminüter nicht gleich ein Epos in der Tradition der großen Klassiker gemacht hat. Die große epenhafte Hymne ist aber auch das einzige, was man auf "Last Of A Dyin' Breed" vermisst. Denn die Southern-Rock-Veteranen haben wieder ein knappes Dutzend Songs aufgenommen, bei denen die Leidenschaft hörbar wird. Da sind erstaunlich viele Nummern mit Ohrwurm-Charakter dabei, aber kaum ein Langweiler. Damit ist auch "Last Of A Dyin' Breed" wieder ein richtig gutes Album geworden. Hoffentlich nicht das letzte seiner Art. Ärgerlicherweise aber ist es auch nicht das einzige seiner Art. Wie schon beim Vorgänger gibt es zwei Versionen des Albums, eine davon mit vier zusätzlichen Tracks von fast ähnlicher Qualität. Was das soll, weiß kein Mensch.