Dass die USA und die UdSSR Tiere in den Weltraum geschossen haben, um zu schauen, was passiert, ist bekannt. Nicht so bekannt ist jedoch die Geschichte von Larry Perry, einem schwer körperbehinderten Mann, den die USA Anfang der 60er-Jahre im Alter von zwölf Jahren ebenfalls zu Testzwecken der Raumfahrt ausgesetzt haben. Larry Perry kann weder gehen noch sprechen. Unbegreiflicherweise hat die NASA ihn wohl deswegen als Testsubjekt ausgewählt - mit Gedanken wie: 'Wenn dann was passiert, ist es ja nicht so schlimm. Den brauchen wir ja eh nicht mehr.' Larry wurde ins All geschossen und kehrte wohlbehalten zurück - und glücklich. Denn eine Reise in den Weltraum war seit jeher sein Traum gewesen. Irgendwie hat ihm die NASA also einen Riesengefallen getan. Diesem Larry Perry haben Dispatch ihr Album 'Circles Around The Sun' und den gleichnamigen Titelsong gewidmet, in dem sie seine ungewöhnliche Reise aus der Sicht der NASA besingen: 'Let’s send him where no one else has gone - and after all he cannot speak or walk. Let’s send him out to moon, do circles 'round the sun.' Dabei klingen Dispatch aber nicht vorwurfsvoll, sondern ausgelassen, weil diese unmenschliche Entscheidung für Larry Perry ja doch eine große Freude bedeutet hat. Dieser Song ist der Opener des Albums und zugleich ein furioses Comeback der Band Dispatch, die mit 'Circles Around The Sun' ihr erstes Album nach zwölfjähriger Pause veröffentlicht. In der Zwischenzeit hat Frontmann Chad Urmston die Band State Radio gegründet und Erfolge mit ihr gefeiert. Urmstons Ur-Band Dispatch geht im Vergleich zu State Radio weniger in Richtung Reggae, sondern orientiert sich stärker am Folk. Die E-Gitarre weicht ihrer Western-Schwester und dem Banjo. Im Gegensatz zu den momentan trendigen riesigen Folk-Ensembles mit tausend verschieden großen Saiteninstrumenten sowie allerlei Geklimper (was ja ohne Zweifel auch ganz schön ist), stehen Dispatch für einen angenehm geradlinigen, schnörkellosen Folk. Ihre Songs sind deswegen auch dort am stärksten, wo sie tempo- und energiereich für sonnige Stimmung sorgen. Das gelingt ihnen exzellent im Titelsong und in 'Get Ready Boy'. Auch in die ruhigeren Songs bauen sie meistens noch einige markante Akzente ein, die dem Klang Druck verleihen. ('Sign Of The Times', 'Josaphine'). Wo diese allerdings fehlen wie z.B. in 'Come To Me', wird die Musik schnell recht farblos - und taugt dann nicht mehr als Soundtrack für Larry Perrys Weltraumflug. Denn langweilig war ihm bestimmt währenddessen nie.