Kinder freuen sich über einen einfachen Lutscher - eigentlich. Denn wenn sie einmal einen Lutscher bekommen haben, in dem auch Brausepulver steckt und der zudem noch ein Tattoo auf die Zunge klatscht, interessiert sie der öde, stinknormale Lutscher beim nächsten Mal nicht mehr. Sie wollen wieder so ein überfrachtetes Ding wie beim vorigen Mal - mindestens. Und genau das ist wohl auch das Problem, wenn sich relativ junge Hüpfer wie der Rezensent das neue Album 'Survival & Resistance' von Dub-Urgestein Adrian Sherwood anhören. Vollgeballert mit überfrachtetem Electro-Durchdreh-Gefrickel oder zugeschmalzten Dance-Hits weiß ich als Teil der heutigen Disco-Generation gar nicht mehr, wo diese ganze elektronische Musik, die ich da so abfeier, eigentlich herkommt. Und ja, ich bin sogar irritiert, so ein lupenreines Dub-Album wie das neue von Adrian Sherwood zu hören. Wann geht denn da jetzt mal die Luzi ab, frage ich mich - immer zum Absprung und Abzappeln bereit. Und wieder ja, ich bin irgendwie enttäuscht, dass dieser Moment eben nicht kommt. Aber das gehört sich nun einmal so. Dub ist nicht Dubstep. Adrian Sherwood bringt das junge Publikum zurück ins Ende der 70er-Jahren, zu den Wurzeln des Dub. Dort ist es ziemlich leer in den Songs. Denn da ist der dumpfe, immer leicht düstere Bass - und ansonsten ziemlich wenig: mal eine gesamplete Stimme, mal eine Mundharmonika, mal ein bisschen Synthie-Summen, das klingt wie eine Fliege, die gerade in eine Glühbirne gerät. Am stärksten wirken die Stücke immer dann, wenn Adrian Sherwood der düsteren Bass-Basis eine schöne, helle Melodie auf dem Klavier oder der Gitarre entgegensetzt, die hinein flattert, als hätte sie sich verirrt. ('Effective', 'Greenleaves') Aber begeistern kann dieses Album den Rezensenten nicht. Zwar falle ich zwischendurch in eine Art Trance beim Anhören, aber bald darauf bin ich dann irgendwie doch wieder gelangweilt - doch das schiebe ich in erster Linie darauf, dass ich mich einfach noch herantasten muss an die Ursprünge der elektronischen Musik. Deswegen kann ich mir zum jetzigen Zeitpunkt auch keine Bewertung dieses Albums erlauben. Kann ich noch'n Lolli?