Fünf Jahre nach ihrem letzten Studioalbum melden sich Loverboy mit einer Art Neustart zurück. Das ambitionierte EPK auf Youtube hat schon gezeigt: Loverboy wollen es jetzt noch mal wissen. Deshalb haben sie sich für "Rock 'n' Roll Revival" Bob Rock ans Mischpult geholt. Der saß schließlich bei den großen Hitalben neben Produzent Bruce Fairbairn und hat sich später mit Metallica, Aerosmith und Bon Jovi die Sporen verdient. Schon beim Titelsong sollte jeder Loverboy-Fan mit der Zunge schnalzen. "Rock 'n' Roll Revival" begeistert mit treibendem Rhythmus, süchtig-machenden Gitarrenharmonien und diesen unverkennbaren Loverboy-Synthesizern, die man schon in den 80ern entweder gehasst oder geliebt hat. Wer zu letzteren gehört, wird begeistert sein, dass Loverboy immer noch fast genau so klingen wie zu den Hochzeiten. Das zeigt auch die sympathische Ballade "No Tomorrow" - ein bisschen kitschig, aber irgendwie doch schön. Von ähnlichem Hitpotential wie der Titelsong ist "Heartbreaker", noch so eine typische, mitreißende Nummer von Mike Reno, Paul Dean und Co. Das ist der Sound, der die Band weit über die Grenzen ihrer kanadischen Heimat berühmt gemacht hat, auch wenn sie in Europa nie den ganz großen Status erreicht hat. Das Zeug dazu hätte sie. Als bedürfte es dafür noch eines Beweises, haben es Loverboy bei drei neuen Songs belassen und für "Rock 'n' Roll Revival" ihre größten Hits noch mal neu aufgenommen. "Oh nein, die nicht auch noch!", könnte man sagen (nach Journey, Foreigner, Styx, Kiss und Def Leppard). Aber vielleicht hat es bei den Kanadiern ja auch rechtliche Gründe. Angesichts des hohen Niveaus der neuen Songs hätte man gern noch mehr davon gehört. Fakt ist aber auch: Die Neuaufnahmen der Klassiker klingen bisweilen grandios. "Turn Me Loose" ist vermutlich der beste Song den Paul Dean und Mike Reno je geschrieben haben. In der neuen Version klingt er zumindest instrumental sogar noch besser, noch härter. Auch wenn Mike Reno mit der Stimme nicht mehr ganz so hoch kommt wie früher, er singt exzellent. Wenn das eine Werbung für anstehende Konzerte sein soll, dann ist sie geglückt. Herrliche Radio-Rock-Klassiker wie "Working For The Weekend", "Lovin' Every Minute Of It" und "Queen Of The Broken Hearts" versprühen Energie und Spielfreude. Bei der Überballade "When It's Over" ist es sogar gelungen, den fantastischen alten Synthie-Klang zu rekreieren, während der markantere Bass dem Song etwas mehr Ecken und Kanten gibt. Großartig! Überflüssig war es allerdings, "Hot Girls In Love" auf acht Minuten auszudehen und zu einer riesigen Jam-Session mit Bass-Solo werden zu lassen. Das braucht kein Mensch. Alles in allem ist "Rock 'n' Roll Revival" zwar eine Enttäuschung in Sachen Neuheiten, aber trotzdem ein riesiger Spaß für jeden Fan des melodischen 80er-Hardrocks. Da wird noch ein Song zum Motto für das Album: "Lovin' Every Minute Of It". Beim nächsten Mal aber bitte ein paar mehr neue Songs.