|
Unglaublich, dass die Veröffentlichung von "Screaming For Vengeance" schon 30 Jahre her ist. Bis heute ist es eines der stärksten Alben von Judas Priest. Aber tatsächlich, 1982 erschien dieses Heavy-Metal-Meisterwerk, das Priest endgültig zu "Metal Gods" machte. Aufgenommen wurde es unter der Ägide von Produzent Tom Allom tatsächlich auf der Party-Insel Ibiza, gemischt im nicht weniger sonnigen Florida.
Das beinahe epische Intro "The Hellion" (der Vogel auf dem Cover) führt zielsicher zum furiosen "Electric Eye". Rasant geht es weiter mit "Riding On The Wind", bevor das atmosphärische "Bloodstone" das Tempo etwas drosselt. Geheimfavoriten des Albums sind "(Take These) Chains" und "Fever". Schade und unverständlich, dass die es offenbar nie oder nur ganz selten ins Live-Set von Judas Priest geschafft haben.
Ausfälle gibt es auf "Screaming For Vengeance" praktisch nicht, allenfalls "Pain And Pleasure" hängt ein bisschen durch. Doch anschließend entschädigen der aggressive Titelsong und der geniale Autofahrsong "You've Got Another Thing Comin'", nicht umsonst einer der absoluten Klassiker. Und dann versteckt sich am Ende des Album (damals auf der B-Seite) noch so ein Juwel wie "Devil's Child". Wer dieses Album nicht im Regal stehen hat, verfügt über keine gut sortierte Heavy-Metal-Sammlung.
Und sollte spätestens jetzt über den Kauf nachdenken. Die Neuauflage in der schick aufgemotzten Gestaltung glänzt auch noch mit Live-Versionen einiger Albumsongs. Leider steht nur nirgendwo, wann und wo die Songs aufgenommen wurden. Die Recherche im Internet klärt auf: Am 10. September 1982 im San Antonio Civic Center bzw. "Devil's Child" am 12. Dezember 1982 in Memphis.
Mit drauf ist auch noch mal "Prisoner Of Your Eyes", wie schon auf der Remastered-Ausgabe von 2001. Damit wiederholt sich der Fehler, denn "Prisoner Of Your Eyes" gehört nicht zu "Screaming For Vengeance". Der Song, halb Ballade, halb Rocker, entstammt doch den Aufnahme-Sessions zum "Turbo"-Album, das erst 1985 rauskam. Und warum war "Prisoner Of Your Eyes" eigentlich nicht im Boxset "Metalogy", das mit nur einem einzigen unveröffentlichten Titel enttäuschte? Sei's drum - es ist überhaupt unglaublich, dass Judas Priest in den 80ern in der Position waren, eine hochklassige Nummer wie diese rauszuschmeißen.
Der Höhepunkt, der die Jubiläumsausgabe von "Screaming For Vengeance" zum Pflichtkauf macht, ist allerdings die DVD mit einem wirklich legendären Konzert. Am 29. Mai 1983 spielten Judas Priest beim US Festival, das der damalige Apple-Chef Steve Wozniak sponserte. Am "Metal Day" waren vor Priest schon Quiet Riot, Mötley Crüe und Ozzy Osbourne aufgetreten. Nach Priest folgten Triumph, die Scorpions und Headliner Van Halen. Über 350.000 Zuschauer sollen dabei gewesen sein, bis heute Rekord für einen einzigen Konzert- oder Festivaltag. Die Bilder vom gigantischen Festivalgelände lassen daran kaum Zweifel.
Sämtliche Konzerte wurden damals für ein TV-Special gefilmt, daher ist die Qualität des Materials hervorragend, sowohl in Bild als auch in Ton, zumal Judas Priest bei Sonnenschein auftraten. Es muss heiß gewesen sein in den Lederklamotten. Aber es hielt Judas Priest nicht davon ab, 60 Minuten ein fantastisches Konzert zu geben mit dem damals noch neuen Album im Gepäck und mit weiteren damals fast noch frischen Klassikern wie "Metal Gods", "Breaking The Law" und "Living After Midnight". Die Kultszene gibt's am Ende bei "Hell Bent For Leather": Rob Halford kommt mit dem Motorrad aus einer Tür aus Verstärkern unter dem Schlagzeug. Schwer vorzustellen? Muss man auch sehen.
Die kleinen Schönheitsfehler (mangelnde Info im Booklet, Song aus späteren Aufnahmesessions) fallen im Gesamtwerk nichts ins Gewicht. Die Special 30th Anniversary Edition von "Screaming For Vengeance" hat alles, was man sich von so einer Neuauflage wünscht. You've got another thing comin' ...
|
|
|