Als Gott der deutschen Independent-Szene gefeiert, werfen Phillip Boa And The Voodooclub ihre neue Scheibe "Loyalty" auf den Markt. Die Frage lautet: Hat sich etwas verändert? Beim den ersten Hörproben kann man sich sicher sein - ja, es hat sich etwas verändert, aber was? Bei dem Opener "Black Symphony" kommt einem fast unweigerlich die musikalische Parallele "Bitter Sweet Symphony" von The Verve in den Kopf, vermutlich aufgrund der dominanten Streicher. Das Britpop-Label mag mir zunächst nicht aus dem Kopf gehen, doch im Verlauf des Albums werden die elektronischen Einflüsse stärker und man fühlt sich wieder wohl im Phillip Boa-Universum. Der exzentrische Musiker, der tunlichst Chartplatzierungen vermeiden will, bricht an jeder nur möglichen Stelle mit gängigen Reim- und Melodieschemata. Einem eingängigen Refrain, mit der wunderbaren Stimme von Pia Lund, folgen fast kindliche, flappsige Reime des Düsseldorfers. Was man an dem Album anfänglich vielleicht vermisst, gerade beim ersten oberflächlichen Hören, ist die tiefgründige Schwere, die Phillip Boa typischerweise in jeder Takt- und Textphrase versteckt. Doch auch hier ist das Ganze eine raffinierte Täuschung, für deren Erfolg man sich als Hörer schon beim zweiten Mal Hinhören schämt, weil Boa auch im lieblichsten Singsangspiel mit Lund das Genie eines Bowies mit der Schwere eines... eines Boas eben vermischt. Philip Boa bewegt sich immer noch irgendwo in der Avantgarde, im Postpunk, hat sich aber dennoch so entwickelt, dass er in der zeitgenössischen Musikszene kein Fremdkörper ist. Das sollte der geneigte Leser jedoch auf keinen Fall mit dem Big Label "Einheitsbrei" gleichsetzen, denn Boa ist Boa, aber mit einer deutlichen Entwicklung - er beherrscht auch die Moderne. Etwas bleibt von meiner Eingangsbemerkung: Das Album hat häufiger "symphonische" Phasen, neben "Black Symphony" macht "My Name Is Lemon" den Eindruck, als ob ein mittelgroßer Chor den Refrain mitschreit; der schnelle Takt und die hektische Textfolge helfen dabei natürlich. Aber schon im darauf folgenden Stück, einem Beispiel für die typische Bildverwendung bei Phillip Boa, "Lobster In The Fog", finden Boa und Lund wieder zur Harmonie, die die beiden sehr konträren Stimmen ausmacht. Für Sammler und Liebhaber haben sich Phillip Boa And The Voodooclub übrigens wieder viel Mühe mit verschiedenen Digipacks und aufwendigen Booklets gegeben. Mit dem Covermodel war das aber auch keine schwierige Aufgabe. geschrieben von Sabine Reich