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Agnes Obel -  Aventine     Artist:  Agnes Obel
    Album:  Aventine
    Label:  PIAS
    Release:  27.09.2013
   Medium:  Album
    Genre:  Indie-Pop ausdrucken 
    Autor:  Valentin empfehlen/teilen 
 

Nicht jeder selbsternannte Künstler kann (bzw. sollte) es sich erlauben, die Hüllen fallen zu lassen. Agnes Obel hat von vornherein auf Hüllen verzichtet. Nein, nicht die stofflichen - die klanglichen sind gemeint. Die in Berlin lebende dänische Künstlerin brillierte mit ihrem Debütalbum 'Philharmonics', eben weil sie es sich zur Aufgabe gemacht hat, akustisch hautnah an ihre Hörer heranzurücken.

Dies gelingt ihr auch auf ihrem Zweitling 'Aventine' ausgesprochen gut, der mit Nachdruck belegt, dass weniger oftmals mehr ist. Minimale Instrumentierung sowie die besonnene Verteilung der Gesangselemente verursachen passgenaue Einschlüsse von Stille und transportieren so einen Eindruck von künstlerisch trittsicherer Ausgeglichenheit, dass es einem unversehens an die Nackenhaare geht.

Poppige An- beziehungsweise Ausflüge sind dieses Mal rar gesät, sieht man einmal von 'Pass Them By' ab, das von der Konzeption her entfernt an den einen oder anderen Blackmore's Night-Song erinnert. Agnes Obels gewohnt herausragende Stimme taucht Stück für Stück in schwelgerisch-sehnsüchtige Grundstimmungen, wobei ihr von den Kolleginnen Anne Müller und Mika Posen kühle Pizzicato-Brisen an Cello und Violine entgegenwehen. Doch weiß Agnes Obel auch um die magische Wirkung zwischenzeitlichen Schweigens Bescheid. In den Zwischenspielen 'Tokka' und 'Fivefold' glänzt die Gesangsspur sogar durch völlige Abwesenheit. Mit Bedacht eingetröpfelte Klavier-Licks - wie bei der Vorab-Single 'The Curse' - formvollenden eine ebenmäßige, aber doch prachtvolle und weitläufige Klanglandschaft. Wie ein Vögelchen tiriliert dazu in 'Run Cried The Crawling' die ganz hoch gegriffene Violine, 'Dorian' wiederum bringt eine unvermittelte Bö von Dissonanz mit sich; die Umkehr zum butterweichen, den Sinnen schmeichelnden Akustik-Arrangement erfolgt jedoch durchweg fließend.

Agnes Obel - und das fühlt man - braucht nicht mehr zu suchen. Sie hat das Lied - oder, unpassender: den Vibe - in sich selbst gefunden, aufgenommen und fortwirken lassen. Doch klingt es mit jedem Male anders. Ein seidig-wohliges Gespinst, ein kaum verschleißbares, melancholiegesprenkeltes Wiegenlied für Erwachsene, ohne Anfang, ohne Ende, von der stereotypen Mechanik des Schul-Songwritertums entleint.


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