Diese Kanadier sind in ihrem Arbeitswahn offenbar nicht mehr zu stoppen. Im vergangenen Jahr waren sie anlässlich des Jubiläums noch auf großer Welttournee (deren Bonn-Gig in diesem Sommer auf einer technisch äußerst fragwürdigen DVD erschien), seit Januar saßen sie schon wieder im Studio, um einen Haufen neuer Songs einzuspielen. Und im 26. Jahr veröffentlichen Saga nun bereits ihr 17. Album. Glaubt man Keyboarder Jim Chrichton, so klingt „Network“ rauer, lebendiger und spontaner als die vorigen Scheiben. Der Fernseher auf dem Albumcover und der Titel „Network“ machen unmissverständlich klar, dass Saga sich dieses Mal vorrangig mit dem leidigen Thema der Mediengesellschaft auseinandersetzen. „On The Air“ etwa handelt von Menschen, deren Lebensinhalt einzig und allein im Fernsehen besteht. „You can fly all night, no one’s there, everything’s alright“, besingt Sadler zynisch den nächtlichen TV-Konsum. Der Song soll und wird auf der kommenden Tour ein Höhepunkt werden, ein grandioses Epos von über sechs Minuten Länge. „Keep It Reel“ setzt das Thema mit schlauem Wortspiel (reel bedeutet Filmrolle) in ähnlicher Weise fort. „I’m Back“ könnte ein weiterer zukünftiger Klassiker sein, ganz im typischen Saga-Stil gehalten, erinnert er an die guten 70er und 80er, als die fünf Kanadier im Vorprogramm von Styx die Progfans des Planeten begeisterten. „Retro oder nicht“, sagt Chrichton, „ich nenne es Fortsetzung der erfolgreich getesteten Saga-Elemente mit frischen Ideen und Sounds.“ So kann man es wohl auch formulieren, auf jeden Fall klingt es ziemlich gut. Das gilt gleichermaßen für die anderen, ausgefeilten Nummern, von denen es noch einige ruhigere gibt, bevor wieder richtig gerockt wird. „Live At Five“ kritisiert die gnadenlose Sensationsgier und Angstmacherei im täglichen Programm. Da sich Steve Negus eine Auszeit nehmen wollte, sitzt vorerst Christian Simpson am Schlagzeug. Für den authentischen Klang wurden die Drums nicht direkt auf dem Computer aufgenommen, sondern vorher analog auf Tonbändern. „Für mehr echte Rockatmosphäre“, sagt Neuling Simpson. Die Rechnung geht auf. Originell, Energie geladen, retrospektiv aber nicht veraltet, das sind Attribute, die „Network“ bestens umschreiben. Die Herren Sadler, Chrichton, Chrichton, Gilmour und Simpson haben sich ordentlich ins Zeug gelegt und eine gelungene Platte aufgenommen, deren Qualitäten sich vor allem bei häufigerem Anhören so richtig entfalten.