Irgendjemand hat irgendwo eine neue Musikrichtung entdeckt. Man nehme einen Hauch Country, einen Hauch The Doors, etwas Massive Attack oder Portishead, und fertig. Manche gehen ins Poppigere, wie Lucky Jim, manche ins Punkigere, wie The Bloodjunkies, und manche extrem ins Countryeske, wie The Saddle Tramps. Branded Women streifen diese Kategorien auch. Zwar ist man sehr viel ruhiger als die vorher Genannten, dennoch haftet dieser Musik etwas Rauchiges an, was man nur auf den nächtlichen, staubigen Straßen Nevadas oder den verschneiten Straßen der Northwest Territories findet. Dafür, das die Damen von Branded Women aus Finnland kommen, ist der perfekte Einfang dieser depressiv-melancholischen Stimmung eher überraschend. Wer den Kill Bill 2 - Soundtrack sein eigen nennt, wird mit "Goodnight Moon" von Shivaree einen Song kennen, der auch auf diesem Album nicht auffallen würde. Eine sanfte, melancholische Stimme ohne fiepsige Zwischentöne, dezente 70er-Jahre-Keys und sanft treibende Rhythmen machen aus Velvet Hours - Stolen Moments perfekte Musik für den nächtlichen Autotrip durch einsame Landschaften. Mag für das durchschnittliche Rock-geschulte Ohr Branded Women recht depressiv klingen, wer sich ansonsten mit dunkler Musik auseinandersetzt, wird Branded Women als Entspannung und Erholung empfinden. Die Songs klingen alle etwas ähnlich, aber durch die schönen, schwingenden Gitarren schaltet man das Großhirn ohnehin halbwegs bekifft ab, um sich der Stimmung hinzugeben. Spätestens bei "More" ist dann das Album komplett im Country angekommen, dort verweilt es dann auch eine Weile. Das ist dann wohl moderner Country-Dark-PopRock oder so ähnlich. Die vier Damen und ein Herr machen nichts wirklich falsch, auf die Dauer wird das Album allerdings immer mehr zur nebenher klingenden Musik, die nicht wirklich volle Aufmerksamkeit erfordert. Das ist ganz nett, kommt an die augenzwinkernden Texte von Lucky Jim und an den Rock'n'Roll der Bloodjunkies nicht annähernd heran. Dennoch ein angenehmes Album ohne großen Anspruch.