Die gute Laune regiert wieder bei UFO. Nach dem Ex-Ex-Gitarrist Michael Schenker nach unzähligen Streitereien mal wieder ausgestiegen ist, haben Phil Mogg und Konsorten eine Verjüngungskur vollzogen. Mit Vinnie Moore wurde nicht nur ein exzellenter Musiker engagiert, sondern laut Moggs Worten auch jemand, mit dem man gut auskommen kann. Das gleiche gilt für den neuen Schlagzeuger Jason Bonham. Unnötig zu erwähnen, dass sein berühmter Vater mit Led Zeppelin zur Legende wurde. Mit diesen hochkarätigen Verpflichtungen steigt natürlich die Spannung auf das neue UFO-Album „You Are Here“. Zeigt sich die gute Laune auch im Studio? Und tatsächlich, gleich der erste Song „Daylight Goes To Town“ bläst einem die Gehörgänge frei. Blitzblanker kraftvoller Sound, der perfekt Opener. Der Titel ist eine aussagekräftige Metapher, denn mit dem Ende der bandinternen Probleme scheint das Tageslicht auch endlich wieder auf die legendären Briten. Unter diesem Aspekt fragt man sich, ob ihnen die Ironie des dritten Songs bewusst ist. „Looking For The Wild One“ singt Mogg immer wieder Refrain, dabei ist er doch eigentlich froh, dass der (Schenker) nicht mehr dabei ist. Auf jeden Fall eine tolle Nummer, der das grandiose „Give It Up“ folgt. Der Titel ist im übrigen alles andere als das UFO-Motto. Schließlich haben die Jungs neben zahlreichen Besetzungswechseln bereits zwei Reunions hinter sich. Alles vergessen, „die alten Hüte sind endlich rausgeworfen“ heißt es im Begleittext der neuen Platte. Und die Harmonie wird mit „Slipping Away“ und „The Spark That Is In Us“ eindrucksvoll demonstriert. Zwei schöne, aber ganz und gar nicht kitschige Balladen, bei denen Moore weiterhin mit schönen und abwechslungsreichen Soli begeistert. Und die dritte Ballade „Baby Blue“ enthält schließlich eine längere Passage mit Akustikgitarre, brillant klingt das. Abwechslungsreich ist „You Are Here“ von Anfang bis Ende. Spätestens bei „Jelloman“ darf Jason Bonham, bis vor kurzem Drummer bei den Quireboys, zeigen, dass er sich nicht im Schatten seines früh verstorbenen Vaters verstecken muss. Tempowechsel beherrscht er im Schlaf, man hätte ihm gern auch noch mehr abfordern können. Und vielleicht liegt hier ein kleiner Kritikpunkt. Alle Tracks sind etwa 4 Minuten lang, da bleibt keine Gelegenheit für große Monumental-Tracks mit vielen Phasen im Stil von „Love To Love You“. Das hätten UFO sich ruhig zutrauen können, selbst wenn das alte Meisterwerk nicht mehr übertroffen werden kann. Langweilig wird die Scheibe trotzdem nie, Lückenfüller gibt es fast nicht. Stattdessen Songs von Karat, die von Phil Moggs unvergleichlicher Stimme leben, die mit den Jahren scheinbar noch kräftiger geworden ist. Bassist Pete Way und Keyboarder Paul Raymond sind ebenfalls aus dem Original-Line-Up dabei. Und war früher der blonde Gitarrengott Schenker zu einem großen Teil mitverantwortlich für den Erfolg, so zeigt sich auf „You Are Here“, dass es auch ohne ihn geht, nicht zuletzt dank Vinnie Moore. Mit seinem wunderbaren Solo im letzten Titel „Swallow“ spielt er sich endgültig in die Herzen der Fans. Und die Band lässt wissen: „We’re Not Going Down“. Nach diesem Album wird erneut klar: Das wäre auch sehr schade für die Rockwelt!