Die Welt besteht aus konformistischen Jasagern und angepassten Drückebergern, die sich von einer handvoll selbsternannter Obrigkeiten bereitwillg ein Verhaltensdiktat aufdrücken lassen. Das ist der Ausgangspunkt, von dem Arch Enemy losziehen, um rebellisch die Welt wachzurütteln und sich entschlossen gegen das Spießertum zu erheben. Das Intro "Tear Down The Walls" stimmt schonmal darauf ein: gröhlende Massen reißen die Mauern nieder, hinter denen schon der Opener "Silent Wars" lauert. "No more, no more, this game must end!" ist hier die Schlüsselbotschaft, die sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Gewohnt melodiös gehen Arch Enemy auf ihrem fünften Longplayer zu Werke, wobei die Einflüsse für Melodien, Riffs und Soli eindeutig bis in die Achtziger zu verfolgen sind. Die Songs sind simpel und eingängig, gehen sofort ins Ohr und da auch nicht so schnell wieder raus. Besonders das hymnenhafte "We Will Rise", zu dem auch bereits ein Video produziert ist, wird live vermutlich richtig einschlagen. In spielerischer Hinsicht tun sich die Amott Brüder Christopher und Michael wieder besonders hervor, ihre Vorliebe für verspielte Heavy- Soli ist nicht zu überhören. Christopher spendet dazu das erste Mal in der Bandgeschichte einige cleane Vocals, die sich recht gut in das melodiebezogene Konzept einpassen. Das Übrige tun die Keyboard Parts Per Wilbergs (Spiritual Beggars), die zum Glück nicht überladen wirken, sondern recht dezent im Hintergrund bleiben und nur hier und da die Athmosphäre unterstreichen. "Anthems of Rebellion" wirkt wie aus einem Guss, besonders Angelas biestige Vocals verbinden die verschiedenen Elemente zu einem Ganzen. Allerdings ist sie ebenso polarisierend, wie geradlinig. Denn es ist wirklich Geschmackssache, ob die Vocals nun rauh und aggressiv oder eher dünn und heiser wirken. Insgesamt muss man sagen, dass die Beschreibung "leaders of modern extreme metal" (Bandinfo) recht hochgegriffen ist – extrem sind Arch Enemy nicht, zumindest wenn man sie bereits als Death Metal kategorisiert. "Anthems of Rebellion" besticht durch Eingängigkeit und technische Qualität, was sicher viele Anhänger begeistern wird. Aber an vielen Stellen könnte weit mehr Druck drauf sein, vielleicht sogar entgegen der massenkompatiblen Gefälligkeit. Denn gegen diese wenden Arch Enemy sich doch gerade auf dieser Scheibe?