Es ist das Ende Europas. Nur noch eine kleine Bootsfahrt oder ein Stückchen mit dem Flieger, selbst schwimmend hat es schon jemand geschafft, und schon ist man in Afrika in Marokko. Hier aus dem südlichsten Zipfel Spaniens, nämlich aus Gibraltar, kommen Breed 77. Aber nur, weil man vom Kern des alten Europas weit entfernt wohnt ist ja noch lange kein Grund keine gute Musik machen zu können, was ja schon etliche Bands, die zwar meist am nördlichen Ende Europas residieren bewiesen haben sollten. Eigentlich klingen Breed 77 auch eher wie eine skandinavische Band, vom Sound eher düster und getragen, dann aber auch wieder energiegeladen und krachig. Auf der anderen Seite kann ich doch die eine oder andere Anleihe an der nah gelegenen Folklore der Nordafrikaner entdecken, was das selbst betitelte Album von Breed 77 ziemlich kurzweilig erscheinen lässt. Die Band wurde 1996 in London gegründet, weil inzwischen alle Bandmitglieder aus Gibraltar nach London gezogen sind. Seitdem ging es steil bergauf, betitelte sie das Kerrang! 1998 als Best Unsigned Band. Immerhin haben sie auch schon als Support von One Minute Silence, Napalm Death und Black Sabbath, also auch keinen unbekannten spielen dürfen. 2002 begleiteten Breed 77 die komplette Europatour von Prong. Allerdings kann ich den musikalischen Zusammenhang mit oben genannten Bands nicht so ganz sehen, spielen Breed 77 eine im Allgemeinen ruhige Linie, eher wie Alice In Chains. Gelegentlich werden die Songs schon mal in die Länge gezogen, was mich an Tool erinnert, an deren Anspruch aber sicherlich nicht heranreicht. Die Songs haben schon einen gewissen Groove, allerdings reicht es meist nur für ein verhaltenes Kopfnicken, zum richtigen Abzappeln wird man nicht animiert. Für ein Debüt haben Breed 77 hier eine gute Scheibe hingelegt, die sich in ihrer Qualität absolut nicht zu verstecken braucht. Freunde von Alice in Chains oder auch Creed wird diese Scheibe wahrscheinlich gut gefallen. Mir war sie etwas zu lasch und dafür nicht catchy genug.