Es ist wirklich erstaunlich, wie Metallica es schaffen, wieder zurück zu ihrer ursprünglichen Linie zu finden, die vor einigen Jahren mit dem Klassiker Kill Em All so fabulös begonnen hat: Beeindruckend war damals das Erschaffen eines Musikstils, der in jedem Aspekt seiner Zeit voraus war. Kill Em All erweiterte den Horizont einer vor sich hin dümpelnden Metalgemeinde und der Nation überhaupt. Sie zeigten mit ihrer ungewöhnlichen Härte, wie mit Drum, Doublebass und E-Gitarre umzugehen war! Sie traten einfach mal Arsch - und genau das tun sie heute wieder. Kaum ein besserer Zeitpunkt in Zeiten des abderbenden Newmetal für die Veröffentlichung eines vor Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit nur so strotzenden innovativen musikalischen Werkes: St.Anger ist wirklich ein absolut kompromissloses Album, mit dem James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und neuerdings auch Robert Trujillo wirklich die ultimative Härte bringen: Ulrichs dunkle Snare, die runtergestimmten Gitarren in Verbindung mit einer absolut beständigen und verdammt schnellen Taktangabe aus Ulrichs Oberarmen sorgen für einen Stil, der zwar fast schon Metallica-untypisch ist, bedenkt man, daß Hausproduzent Bob Rock wieder hinter den Reglern saß, jedoch den Effekt freien erleichterten Aufatmens bei eingeschworenen Metallicafans zur Folge hat. Gleich beim ersten Song Frantic bürstet es einem die Frisur nach hinten - Breakdowns, Moshparts und dergleichen verbindet Hetfield mit einer wirklich merklich bösen Stimmgewalt. Ebenso bei St. Anger ; beeindruckend sind die ständigen Rythmuswechsel, die sich im ganzen Album zeigen. An guten Riff-Ideen mangelt es auch nicht, was in Dirty Window zu bewundern ist. Die Songs sind tatsächlich voll darauf ausgelegt, Energie rüberzubringen - keine Soli, keine reinen Gesangseinlagen, nur Knüppelparts. Die Songstruktur ist dabei durchgehend eine ähnliche - undzwar garkeine. Ein Strophen-Refrain-Schema ist selten zu erkennen, was es gerade ausmacht und das hat Metallica in den frühen Alben auch schon genauso durchgezogen. Purify und All within my hands sind eindeutig die Songs, bei denen ich der Meinung bin, daß der Songwritingprozess hier noch ein bißchen kreativer war, als beim Rest des Albums. Melodisch gaben sie mir einfach ein bißchen mehr ohne dabei an Erbarmungslosigkeit einzubüßen. Ein wirklich guter Abschluß eines wirklich verdammt guten Albums. Typisch Metallica: Keiner der elf Songs geht unter fünf Minuten ins Ziel, was auf diesem Album teils etwas überzogen ist, wie beispielsweise bei Invisible Kid. Nach drei Minuten ist es etwas überzogen, noch fünf weitere Minuten mit dem gleichen Thema ranzuhängen. Doch solange es rockt ist das absolut ok. St. Anger ist ein Longplayer, der eine gerade Linie zieht zu den bisher besten Metallica-Werken. Es ist offensichtlich ein Album, das vor 20 Jahren so niemals hätte entstehen können. Noch nicht einmal vor 10 Jahren, obwohl es - was die Power angeht - nicht besser passen könnte.