Es war längere Zeit still um das Koblenzer Quartett Blackmail. Jetzt sind sie zurück und im Gepäck haben sie ihr viertes Album "Friend or Foe", welches frei nach dem Motto “Back to the roots” entstanden ist. Man wandte sich vom Experimentellen ab und kehrte zurück zum guten alten, reinen Rock. Mit "Friend or Foe" schufen Blackmail eine gute Mischung aus lauten Gitarren, melancholischen Klängen und ein bisschen Grunge. Bei einer Charakteristik des Albums müsste man wohl als erstes auf die dominierende Musik der CD eingehen. Besonders hervorstechend sind Songs wie "it could be yours" oder "dive". Sie spiegeln den Sound der Band in seiner besten Form wider, laut und schön krachig. Die beiden Songs gehören zu der Art Musik die man einfach nicht leise hören kann, sondern das Radio so weit wie möglich aufdreht (oder zumindest ein bisschen lauter macht). Wie ein Schnitt wirkt da fast schon die Ballade "fast summer". Der 3min33sek lange Song wirkt wie ein Paket, in dem die gesamten Zweifel, Ängste und Emotionen des Albums gebündelt sind und endlich ausgepackt werden müssen. Blackmail verzichten aufs Schmachten und schnulzige Melodien erhält der Song einen sehnsüchtig und ruhig melancholischen Charakter. Einen ziemlich überraschenden Anfang bringt "nobody’s home (in my home i’m alone)" mit sich. Zwar bin ich von Natur aus ein sehr schreckhafter Mensch, doch auch ansonsten sollte man vielleicht wissen, dass wenn man “Friend or Foe” zum ersten Mal irgendwo in der Öffentlichkeit hört und man auf einmal ein ganz deutliches, leicht weinerlich klingendes 'Hallo hallo' von einem (vielleicht vierjährigen) Jungen vernimmt, dann braucht man sich nicht verschreckt im Kreis zu drehen, denn es ist nur der Song, welcher in einer eher unüblichen Weise beginnt. Der Junge, der so klingt als würde er sich am liebsten am nächstbesten Rockzipfel festhalten um sich vor der bösen, grausamen Welt zu verstecken, existiert nicht wirklich. Einen weiteren Pluspunkt erhält das Album aufgrund seines Booklets. Leider bin ich nicht ganz hinter die vielleicht tiefgründigeren Gedanken dieser Gestaltung gelangt, aber es lohnt bestimmt sich mal etwas intensiver mit ihr auseinanderzusetzen. Die Seiten sind alle in schwarz weißem Ton gehalten. Der Hintergrund ist weiß und darauf scheinen mit einem dicken Flachpinsel, scheinbar wahllos, schwarze Striche durchgezogen zu sein. Irgendwo steht dann in schwarzen oder weißen Buchstaben ein Songtitel. Die einzige Ausnahme dieser Gestaltung findet sich in der Mitte des Booklets wieder. Ein Foto von einer in allen Farben blühenden Sommerwiese zerbricht für einen kurzen Moment den dunklen, kühlen und eintönigen Charakter des Booklets. Es ist wohl keine Übertreibung wenn man "Friend or Foe" als eines der besten Rockalben dieses Jahres bezeichnet. Durch die Erinnerung an Vergangenes schufen Blackmail ein Werk, das durch Qualität und Eingängigkeit besticht. Definitiv geeignet für Freunde des gepflegten Rocks.